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Deutsche Redaktion

Massenmord von Wola jährt sich zum 77. Mal

05.08.2021 08:00
Am 5. August 1944 haben deutsche Besatzer innerhalb von drei Tagen fast 65 Tausend Zivilisten des Warschauer Stadtteils Wola ermordet.
Die Anzahl der Leichen ist so gro, dass die Deutschen die lokale Bevlkerung beim Verbrennen von Leichen ausnutzen.
Die Anzahl der Leichen ist so groß, dass die Deutschen die lokale Bevölkerung beim Verbrennen von Leichen ausnutzen.autor nieznany - Miasto Nieujarzmione, Warszawa: Iskry, 1957/ domena publiczna

Heute jährt sich der Massenmord von Wola zum 77. Mal. Am 5. August 1944 haben deutsche Besatzer innerhalb von drei Tagen fast 65 Tausend Zivilisten des Warschauer Stadtteils Wola ermordet.

Um 7.00 Uhr morgens, am 5. August 1944, dringen Heinz Reinfarths Truppen und Dirlewangers Brigaden bis zur Kierbedź-Brücke vor und beginnen mit dem Mord an Zivilisten. Anfangs wurde das Geschehen "Schwarzer Samstag" genannt. Schätzungen zu Folge wurden an diesem Tag von 40 bis zu sogar 65 Tausend Menschen ermordet. Niemand wurde verschont. Auch Frauen und Kinder wurden erschossen.

Nach 1 Uhr Nacht bekommen die Aufständischen Unterstützung. Drei britische Flugzeuge werfen Waffen und Proviant in der Nähe von Friedhöfen und des Wola Krankenhauses ab. Frühere Abwürfe sind nicht gelungen, weil die Deutschen alle ausländischen Flugzeuge beschossen haben. Trotzdem können die Morde nicht verhindert werden und das Gemetzel dauert an, die Zahl der Aufständischen ist zu klein, der Proviant reicht nicht aus, um den Ausgang des Kampfes zu ändern.

Das Bataillon "Zośka" hat während dessen das "Konzentrationslager Warschau", ein Arbeitslager an der Gęsia Straße, freigekämpft. 324 Menschen jüdischer Abstammung wurden befreit, die aus verschiedenen Teilen Europas nach Warschau transportiert wurden. Der Aufstand wird reorganisiert und die Reichweite des Aufstandes wird in drei Gebiete aufgeteilt: "Stadt-Mitte", "Nord" und "Süd".


Andrzej Duda kniet vor dem Denkmal des Massakers von Wola. Andrzej Duda kniet vor dem Denkmal des Massakers von Wola.

Zeitzeugen erinnern sich

"Die Situation verschlimmerte sich zusehends. Die Deutschen begannen jetzt, reihenweise Männer in Gruppen zu 10, 15, 25 und schließlich zu 50 Personen herauszurufen. Die Pausen zwischen dem Aufrufen und den Schußserien wurden immer länger (…) Vor diesem Haus sahen wir einen ca. einen Meter hohen Wall von Toten liegen. Menschliche Körper, teils in weiße Kittel gehüllt oder in Krankenhaus-Schlafröcken, teils in Zivilkleidung – alle blutbesudelt. Vor dem Leichenhaufen postierten zwei Reihen Soldaten mit dem SD-Abzeichen, zu viert in einer Reihe mit schußbereiten Gewehren…", erinnerte sich vor Jahren Janusz Piekałkiewicz.

"7. August 1944, am Morgen wurde unsere Gruppe auf den Innenhof gebracht, man zwang uns zum Auskleiden. Als wir nur noch in Hosen standen, befahl man uns die Sokołowska Straße runter zu marschierten und uns mit der Leichenverbrennung zu beschäftigen (...) An der Ecke zur Płocka Straße wurde unsere Gruppe angeordnet sich zu setzen. Einer der Gestapo Offiziere informierte uns, dass man uns am Leben lässt, damit wir alle Leichen bis zur Einäscherung verbrennen", schrieb Franciszek Zasada in seinem Buch "Franciszek Zasadas Zeugnis: Verbrechen der Besatzer".

Das Verbrennungskommando Warschau, so nannten die Deutschen die ausgenutzten Bewohner, wurde nach den Zwangsarbeiten ebenfalls ermordet.

Heinrich Friedrich Reinefarth wurde für seine Verbrechen niemals zur Verantwortung gezogen. Nach dem Krieg war er ein westdeutscher Politiker. In den Jahren 1951-1967 war er Bürgermeister der Stadt Westerland und 1958-1967 Mitglied des Landtags von Schleswig-Holstein. Er starb am 7. Mai 1979 in Westerland.


IAR/jc