Deutsche Redaktion

Das bessere Gesicht der Koalition

10.09.2019 09:00
Ein wichtiges Thema in den Wochenzeitungen ist die überraschende Entscheidung von Bürgerplattform-Chef Grzegorz Schetyna, die Kandidatur für den Ministerpräsidenten-Posten an Małgorzata Kidawa-Błońska abzugeben. 
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Newsweek: Das bessere Gesicht der Koalition

Die Entscheidung sei in Schetyna seit Juli gereift, schreibt in der aktuellen Ausgabe das linksliberale Wochenmagazin Newsweek. Zuvor, so das Blatt, habe der Politiker noch daran geglaubt, dass sich das Szenario aus Donald Tusks Präsidentschaftskampagne von 2005 wiederholt: Dass die Bürgerplattfom in den Sommerferien durch Polen tourt und ihre Ergebnisse in den Umfragen Ende August in die Höhe schnellen werden. Daher habe die Partei Mitte Juli auch unter dem Motto "Schetynas´ Sechs" die neuen Programmvorschläge vorgestellt, deren Gesicht der Bürgerplattform-Chef sein sollte. Der Plan sei jedoch nicht aufgegangen. Weder die Koalition, noch Schetyna hätten in den Umfragen an Popularität gewonnen. "Grzegorz hat begriffen, dass er für viele Wähler eine Belastung ist. Ein Tausend Mal habe ich während meiner Reise durch Polen gehört: "macht etwas mit dem Schetyna, versteckt ihn". Er hat es auch gehört und musste es schließlich akzeptieren", zitiert Newsweek einen engen Mitarbeiter von Schetyna.

Zum Strategie-Wechsel, lesen wir weiter, hätten den PO-Chef auch die Ergebnisse der Studie einer israelischen Consultingfirma bewegt, die die Bürgerplattform bei diesen Wahlen berät. Dieselbe Firma, verrät Newsweek, habe unter anderem auch die Kampagne der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova und des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu geleitet. Das Fazit der Studie: die Menschen wollen vor allem drei Dinge: Gesundheit, Geld und dass Politiker nah an den Bürgern sind. Zudem würden sie am liebsten junge Gesichter in den ersten Reihen sehen. Und Frauen. Daher sei die Wahl schließlich auf Małgorzata Kidawa Błońska gefallen. 

Eine der großen Stärken der Politikerin sei, wie Vize-Bürgerplattform-Chef Tomasz Siemoniak betont, dass sie im Gegensatz zu den Politikern der PiS, nicht lügt und nicht schreit. Außerdem habe sie eine hervorragende Arbeitsethik. “Wir sind im Rahmen der Wahlkampagne gemeinsam durch Polen gereist und sie ist so durch die Märkte gerast, dass ich manchmal schon außer Puste war. Die Menschen haben sie sehr positiv aufgenommen.”

In der Bürgerplattform, lesen wir weiter, zählen nun alle, dass diese Entscheidung für frische Energie im Oppositions-Lager sorgt. Kidawa-Błońska werde definitiv schwieriger anzugreifen sein, als Schetyna. Als Parlamentspräsidentin habe sie mit allen Parteien gute Beziehungen gepflegt, beobachtet Newsweek. 



Do Rzeczy: Grzegorz und Małgorzata 

Kamila Baranowska von der regierungsnahen Wochenzeitung Do Rzeczy macht in ihrem Kommentar zum Kandidaten-Wechsel darauf aufmerksam, dass Schetyna mit seiner Entscheidung versucht, das Manöver von PiS-Chef Kaczyński von 2015 zu wiederholen. Kaczyński, erinnert die Autorin, habe sich damals auch zum Wohl der Kampagne zurückgezogen und Beata Szydło als Ministerpräsidentin vorgeschlagen. Und Schetyna sei der erste gewesen, der diese Entscheidung kritisiert habe. Die Bürgerplattform, lesen wir, habe in den letzten Jahren konsequent überzeugt, dass eine Situation, in der jemand anders als der Parteichef an der Regierungsspitze stehe, den Staat zerstöre. Heute überzeuge sie, dass dies eine phantastische Idee sei.

Laut Krzysztof Łapiński, der die Kampagne der PiS 2015 mitgestaltet habe, ist das Manöver von Schetyna interessant, die Dynamik der Kampagne werde er damit jedoch nicht ändern können. Besonders, da die Ausgangssituation 2015 eine andere gewesen sei. "Beata Szydło ist in ihre Kampagne als Mitautorin des Wahlerfolgs von Staatspräsident Andrzej Duda gestartet, das war ihr großer Vorteil. Dazu hatte sie mehr Zeit für die Kampagne, in der sie insgesamt auch sehr gut abschnitt. Daher hat sie die Kampagne getragen und als künftigen Premierminister kreiert", so der Politiker im Interview mit Do Rzeczy. Kidawa Błońska habe dagegen sehr wenig Zeit, um sich zu präsentieren. Wahr sei aber, dass Kidawa-Błońska gute Beziehungen auch zu Politikern aus anderen Lagern und zu Journalisten habe und daher mehr Sympathie wecke als Schetyna.

Die Pläne der PiS werde diese Entscheidung aber nicht durchkreuzen können, betont im Interview mit dem Blatt Radosław Fogiel von der PiS. "Grzegorz Schetyna sollte wissen, dass man nicht zweimal denselben Fluss betritt und etwas, das einmal gelungen ist, nicht noch mal gelingen muss", zitiert Do Rzeczy den Politiker der Regierungspartei.  

 

Autor: Adam de Nisau