Deutsche Redaktion

Das Ende einer (politischen) Epoche

07.11.2019 10:41
Die Entscheidung Donald Tusks bleibt weiterhin ein breit kommentiertes Thema in der polnischen Presse.
Donald Tusk
Donald TuskBart Lenoir / Shutterstock

RZECZPOSPOLITA: Das Ende einer (politischen) Epoche

Die Entscheidung Donald Tusks bleibt weiterhin ein breit kommentiertes Thema in der polnischen Presse. Der amtierende Chef des EU-Rates habe diese Woche bekannt gegeben, dass er sich an dem Präsidentschaftswahlkampf nicht beteiligen werde. Diese Erklärung bedeute das Ende einer politischen Epoche in Polen, urteilt die Tageszeitung Rzeczpospolita in ihrem Kommentar. Die Frage, ob sie zugleich für Tusks ehemalige Partei Bürgerplattform einen Impuls zur Weiterentwicklung oder eher den langsamen Abgang von der politischen Szene bedeuten werde, bleibe offen. Seit den Parlamentswahlen im Jahr 2015 habe die Partei ein grundlegendes Problem mit sich selbst. Es fehle an einer klaren Konzeption, welche Rolle die Partei spielen und was sie eigentlich den Wählern anbieten sollte. Die Niederlage des PO-Kandidaten Bronisław Komorowski in dem Präsidentschaftswahlkampf und kurz danach der Sieg des größten politischen Gegners, der aktuellen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit, hätten die Bürgerplattform vor über vier Jahren in eine tiefe Defensive gedrängt. In der unbequemen Situation befinde sich die Partei bis heute, stellt das Blatt fest.

Anfangs lebten PO-Politiker in der Hoffnung, dass sich das Szenario von vor ein paar Jahren wiederholen werde: die PiS werde mehrere sinnlose politische Kriege ausrufen und bald werden die Polen verstehen, dass sie einen Fehler begangen haben und die konservative PiS-Partei schnellstens abwählen werden. Bald habe sich aber herausgestellt, dass die Wähler in Polen ihre Meinung über die PiS-Partei weitgehend geändert hätten. Auf eine solche Entwicklung sei die Bürgerplattform jedoch nicht vorbereitet gewesen. Es habe keinen „Plan B“ gegeben. Vier Jahre lang sei die ehemalige Regierungs- und aktuell die größte Oppositionspartei nicht im Stande gewesen, den Polen eine kohärente Zukunftsvision vorzustellen. Politische Bündnisse mit anderen Parteien verfolgten immer nur das Ziel, der PiS die Macht wegzunehmen. Wie nach dem Machtwechsel aber Polen aussehen sollte, hätten Politiker der Opposition den Wählern aber bislang nicht verraten.

In diesem Kontext sei Tusk in den Augen vieler Oppositionspolitiker die letzte Chance gewesen, zu der politischen Stärke von vor 2015 zurückzukehren. Allem Anschein nach sei Tusk aber zu der Ansicht gekommen, dass man nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen könne. Für die Partei sei es ein klares Signal, dass man Änderungen unternehmen müsse. Wenn die PO im Jahr 2019 weiterhin eine Partei wie im Jahr 2015 bleiben wolle, werde sie auf der politischen Szene in Polen bald immens an Bedeutung verlieren, so Rzeczpospolita.

 

DZIENNIK: Polen altert sehr schnell

Die Polen werden immer älter, berichtet in der neuen Ausgabe die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. Das gehe aus einer Statistik hervor, die die Entwicklung des Altersmedian zeige. Die Statistik zeige das Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Jahr 2018. Der Altersmedian bedeute, dass eine Hälfte der Bevölkerung älter, und die andere jünger als der jeweils angegebene Wert sei. In Italien lag der Altersmedian der Bevölkerung im Jahr 2018 bei 46,3 Jahren. Dies sei nicht nur innerhalb der Europäischen Union der höchste Wert. Italien sei auch weltweit eines der Länder mit dem höchsten Durchschnittsalter. Am entgegengesetzten Pol befinde sich Irland mit einem Wert von 37,3 Jahren.

Polen gehöre weiterhin zu den jüngeren europäischen Gesellschaften und liege immer noch weit unter dem EU-Durchschnitt, stellt das Blatt fest. Die Prognosen sehen aber düster aus. Und zwar schon im Jahr 2050 werde Polen zu jenen Ländern der EU mit dem höchsten Durchschnittsalter gehören. Der Grund dafür sei die Tatsache, dass Polen schneller als die restlichen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union altere. Dies habe zu Folge, dass in den kommenden drei Jahrzehnten Polen zu den fünf ältesten Gesellschaften der EU gehören werde, so Dziennik/Gazeta Prawna.

 

SUPER EXPRESS: Lewandowski macht es vor

Dem beunruhigenden Trend versuche Robert Lewandowski entgegenzuwirken. Der Torjäger werde zum zweiten Mal Vater, berichtet die Tageszeitung Super Express. Nach seinem Tor im Spiel gegen die Griechen aus Pireus steckte sich Robert Lewandowski den Ball unters Trikot und lutschte an seinem Daumen - in der Welt des Fußballs eine eindeutige Geste. Schnell machten Gerüchte die Runde: Anna Lewandowska sei wieder schwanger. Kurz nach Spielende habe Lewandowski die Nachricht bestätigt.

Für das bekannteste Ehepaar in Polen sei es das zweite Baby. Robert und Anna seien bereits seit zwölf Jahren ein Paar, seit 2013 seien sie verheiratet. Eine Tochter hätten sie schon, nun bekomme die kleine Klara Geschwister. Dass mit einem weiteren Kind für das Paar ein Traum in Erfüllung gehe, hätten sie bereits in einem Interview im Mai verraten.

 

Autor: Jakub Kukla