RZECZPOSPOLITA: Eine europäische Verteidigungsarmee
Wie lässt sich umfassende militärische Unterstützung von politischen Widerständen, innenpolitischen Kalkulationen und der Distanz eines großen Teils der Öffentlichkeit gegen die Gefährdung „unserer Jungs“ unabhängig machen? Diese Frage beantwortet die Tageszeitung „Rzeczpospolita“. Europa brauche eine zusätzliche Armee aus gut bezahlten Freiwilligen, die der NATO zur Verfügung stünden, aber auch eigenständig eingesetzt werden könnten, lesen wir. Der EU-Vertrag sehe in Artikel 42 die Möglichkeit einer gemeinsamen Verteidigung vor. Alle Entscheidungen in diesem Bereich müssten jedoch einstimmig getroffen werden. Sinnvoller wäre es daher, wenn interessierte Staaten in einem separaten Vertrag eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft gründeten, in der Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden könnten. Eingeladen werden könnten nicht nur EU-Mitgliedstaaten, sondern auch Großbritannien und Norwegen, Moldau und in absehbarer Zukunft auch die Ukraine.
Warum würde sich eine zusätzliche europäische Armee für Polen lohnen? – fragt das Blatt und erklärt: Erstens wäre es für die politischen Entscheidungsträger der einzelnen Länder wesentlich leichter, den Einsatz europäischer statt nationaler Streitkräfte zu beschließen. Zweitens finanziere Polen lediglich rund sechs Prozent des EU-Haushalts. Sollte der polnische Anteil an der Finanzierung einer europäischen Armee ähnlich hoch ausfallen, würde sich das für Polen sehr lohnen, denn die wichtigste Aufgabe einer solchen Armee wäre die Abschreckung Russlands. Drittens wäre eine gemeinsame Armee der Ausgangspunkt für eine Vergemeinschaftung der Verteidigung. Das würde das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Verteidigungsbereich verbessern. Europa brauche dringend militärische Stärke, um die baltischen Staaten zu verteidigen, für einen möglichen Einsatz in der Ukraine als stabilisierende Truppe nach einem Waffenstillstand sowie für weitere Operationen im Umfeld Europas.
Das Fehlen einer militärischen Kraft, die etwa in Syrien, Mali oder Libyen eingesetzt werden könnte, habe Europa unkontrollierten Flüchtlingsbewegungen ausgesetzt, bei denen Menschen in das wohlhabende Europa fliehen – und mit diesen Flüchtlingsbewegungen komme Europa nur bedingt zurecht. Eine gemeinsame europäische Armee könnte ein sich zunehmend militarisierendes Russland besser abschrecken als nationale Streitkräfte, deren politische Entscheidungsträger in Europa ebenso wie in den USA zögerten, sich zur Unterstützung anderer Länder militärisch zu engagieren. Hoffen wir, dass wir uns davon nicht erst am eigenen Leib überzeugen müssen, schreibt die „Rzeczpospolita“.
ARCHITEKTURA MURATOR: Abriss statt Modernisierung
Der Abriss von Bürogebäuden ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein europaweit zu beobachtender Trend. Die sich wandelnde Definition von Modernität spiegele sich in steigenden Unterhaltskosten und immer strengeren Umweltauflagen wider. Ein modernes Bürogebäude werde zunehmend zu einem Bestandteil der Unternehmensstrategie: Es solle Talente anziehen und Beschäftigte zur Rückkehr ins Büro bewegen, stellt das Portal „Architektura Murator“ fest.
Immer häufiger würden Bürokomplexe nach dem Vorbild kleiner Städte gestaltet, während die Büros selbst zunehmend an Wohnungen erinnerten. Hängematten in Ruhezonen, voll ausgestattete Küchen, Umkleiden, Duschen oder sogar Schlafkapseln sorgten dafür, dass die Liste der Gründe, das Büro zu verlassen, immer kürzer werde. Traditionelle lange Flure mit einer Reihe geschlossener Räume könnten heute mit modernen Bürogebäuden der Klasse A kaum noch konkurrieren. Leider rechne sich für Investoren immer häufiger der Abriss deutlich stärker als eine Modernisierung des bestehenden Gebäudes.
Besonders deutlich sei dieser Trend in der polnischen Hauptstadt zu beobachten. Warschaus Bürohäuser verschwänden vor unseren Augen. Derzeit werde das Ilmet abgerissen, eines der charakteristischsten Warschauer Bürogebäude der 1990er-Jahre. Noch liefen die Arbeiten im Inneren: Installationen und Ausstattung würden demontiert, die eigentliche Konstruktion solle in einem späteren Bauabschnitt abgetragen werden. Skanska, der Eigentümer der Immobilie, nenne bislang keinen Termin für den Abschluss der Arbeiten. Fest stehe auch das Schicksal des mehr als zwei Jahrzehnte älteren Intraco. Der 50 Jahre alte Wolkenkratzer solle abgerissen werden. Die letzte Chance, das Gebäude zu erhalten, wäre eine Aufnahme in das Denkmalregister gewesen. Doch im September habe der Denkmalschutz eine Unterschutzstellung endgültig abgelehnt.
GAZETA.PL: Polens Städte werden älter
Die Alterung der Gesellschaft wird häufig vor allem mit ländlichen Regionen in Verbindung gebracht. In Gemeinden im Osten Polens machten Senioren jedoch bereits mehr als 30 Prozent der Bevölkerung aus. Mit einer ähnlichen Entwicklung seien auch die Städte konfrontiert, informiert Gazeta.pl.
Die Überalterung der Gesellschaft werde vor allem mit abgelegenen ländlichen Gebieten in Verbindung gebracht. Das sei jedoch ein zu vereinfachtes Bild, erklärt Arkadiusz Słodkowski vom Portal RynekPierwotny.pl. Eine Analyse habe gezeigt, dass auch die Städte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten. Wie die Autoren der Analyse feststellten, lebe die Mehrheit der über 65-jährigen Polen in Städten. Die zahlreichen Teilnehmer des Urbanisierungsbooms aus der Zeit der Volksrepublik Polen seien inzwischen Senioren. Diese Entwicklung werde ebenso wie andere demografische Veränderungen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben und zu einem Anstieg des Angebots auf dem Gebrauchtmarkt führen, erklärt Słodkowski.
Unabhängig vom Wohnort stünden ältere Menschen vor denselben Herausforderungen, etwa bei Betreuungsangeboten und beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Beim Wohnen gebe es dagegen Unterschiede. Auf dem Land beklagten Senioren die hohe Energieintensität ihrer Wohnhäuser sowie zu viel Wohnfläche, die nach dem Auszug der Kinder schwer zu unterhalten sei. In den Städten sei dagegen beispielsweise das Fehlen von Aufzügen ein Problem.
Die Alterung der Gesellschaft betreffe zwar die gesamte Europäische Union, in Polen schreite sie jedoch besonders schnell voran. Der Anteil der über 65-Jährigen sei in Polen von 13 Prozent im Jahr 2005 auf inzwischen 21 Prozent gestiegen, schreibt Gazeta.pl.
SUPER EXPRESS: Keine Koalition mit Tusk?
Die politische Landschaft Polens sei stark zersplittert, stellt der „Super Express“ fest. Nach der Wahl 2027 würden daher nur Parteien eine Regierung bilden können, die eine Koalition zustande brächten. Könnte Rozwój Plus von Ex-Premier Mateusz Morawiecki ein politisches Bündnis mit der Bürgerkoalition (KO) eingehen? Eine Mehrheit der Polen schließe dieses Szenario aus: 59 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Instituts Pollster für den „Super Express“ hielten eine solche Koalition für nicht möglich.
In den Umfragen liege die Bürgerkoalition weiterhin an der Spitze, komme aber maximal auf rund 30 Prozent. Um an der Macht zu bleiben, brauche die Partei von Donald Tusk Koalitionspartner. Die Auswahl im Mitte-links-Lager sei begrenzt, denn die Neue Linke komme auf rund sechs Prozent – zu wenig, um gemeinsam mit der KO eine Regierung zu bilden. Morawiecki sei einst Berater des heutigen Ministerpräsidenten gewesen; die beiden Politiker kennten sich daher gut.
Die Frage nach einem möglichen Bündnis zwischen Rozwój Plus und der KO hätten die Meinungsforscher des Instituts Pollster den Polen gestellt. Das Ergebnis sei eindeutig: Eine deutliche Mehrheit der Befragten schließe ein solches Szenario aus. Nur 15 Prozent hielten eine solche Koalition für möglich, während 26 Prozent keine Meinung dazu hätten.
Jakub Kukla