MONEY.PL: Drohnenangriff nahe der polnischen Grenze
In der Nacht zum Sonntag ist es im Westen der Ukraine, unmittelbar an der polnischen Grenze, zu einem Drohnenangriff auf die Bahninfrastruktur gekommen. Unter anderem wurde ein Zug beschossen, schreibt das Portal Money.pl. In dem betroffenen Zug reiste Maciej Kuziemski, Vorstand der Stiftung der PKO Bank Polski. „In den frühen Morgenstunden hielt unser Zug an. Wir wurden geweckt und darüber informiert, dass wir uns auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten sollten. Letztlich kam es zumindest in meinem Waggon nicht dazu. Nach einiger Zeit setzte der Zug seine Fahrt fort“, berichtet Kuziemski im Gespräch mit dem Portal.
„Für uns ist das etwas Außergewöhnliches, für Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer ist es jedoch Alltag. Daran müssen wir denken, wenn wir die Ukraine solidarisch und geduldig unterstützen.“ Nach den Signalen, die Ministerpräsident Donald Tusk in Bratislava bestätigt habe, müsse man darauf vorbereitet sein, „dass solche Provokationen auch in der Nähe der polnischen Grenze immer schwerwiegender werden“. Auch Tusk warnte zuletzt, die Eskalation sei bereits Tatsache.
„Was sollten wir dagegen tun? Auf Regierungsebene natürlich die Ukraine auf jede mögliche Weise unterstützen – sich für einen verstärkten Luftschutz einsetzen und für eine Finanzierung durch die EU, die den laufenden Betrieb des ukrainischen Staates sicherstellt. Aber ich denke, dass wir als Zivilgesellschaft viel von der mutigen ukrainischen Gesellschaft lernen können: darüber, wie man widerstandsfähig bleibt, sich an neue Taktiken anpasst und Vertrauen in Institutionen und den Staat entwickelt“, erklärt Kuziemski.
Auch Infrastruktur könne in Kriegszeiten eine andere Funktion bekommen. „Man kann von sogenannter Dual-Use-Infrastruktur sprechen. Das ist etwas anderes als Schutzbunker. Orte, die wir im Alltag besuchen – etwa Bankfilialen, Postämter oder Kultureinrichtungen – können in Krisensituationen zusätzliche Funktionen übernehmen.“ Auch Polen plant, Schienennetze, strategische Infrastruktur und Schutzräume auszubauen. In der Ukraine zeigt sich das Konzept etwa in Form sogenannter „Punkte der Unbeugsamkeit“ – Orte, an denen man sein Handy aufladen, sich einen Tee machen oder andere Menschen treffen kann, wenn andere Kommunikationsmöglichkeiten ausfallen. „Die ukrainischen Städte leben trotz der verbrecherischen Pläne Russlands ihr Leben weiter“, fügt Kuziemski hinzu.
WIĘŹ.PL: Der Mythos von der sicheren Welt
Mit den Türmen des World Trade Centers stürzte für die Millennials der Mythos einer sicheren Welt ein, schreibt Damian Jankowski in der Monatszeitschrift Więź anlässlich des Jahrestags der Anschläge in New York. Er erinnert sich an diesen Tag. Als die Fernsehsender ihre Übertragungen begannen, war es in Polen früher Nachmittag. Statt eine Fernsehserie zu schauen oder draußen Fußball zu spielen, habe er mit seinem Bruder vor dem Fernseher gesessen und gesehen, wie die beiden Türme zunächst brannten und sich dann in Staub verwandelten. Als Kinder hätten sie nicht verstanden, was geschah. Aber auch seine Eltern hätten es nicht verstanden.
Heute sehe er es deutlich: Im ersten Jahr des neuen Jahrhunderts sei mit den Türmen des World Trade Centers für die Millennials der Mythos einer sicheren Welt eingestürzt. Eine Zeit der Spannungen, der Unruhe und der Unsicherheit habe begonnen. Unmittelbar nach dem Anschlag habe man ohne Schwierigkeiten Aufnahmen finden können, auf denen Menschen aus Verzweiflung aus den brennenden Hochhäusern sprangen. Wisława Szymborska schrieb ein Gedicht über eine Fotografie, die diesen Moment festhielt. Darüber, dass sie für die Sterbenden nur zwei Dinge tun könne: ihren Flug beschreiben – und „den letzten Satz nicht hinzufügen“.
Jankowski erinnert sich auch an den zehnten Jahrestag der Anschläge, als Paul Simon am Ground Zero „The Sound of Silence“ sang. Mit brechender Stimme habe er von Menschen gesungen, die Lieder schreiben, die niemand jemals hören werde. Er habe darum gebeten, den Klang der Stille nicht zu stören. Vielleicht liege genau darin die Tragik: Die Welt habe diese Stille zu schnell übertönt und ihr nicht erlaubt, nachzuklingen, schreibt der Publizist. Bald hätten der „Krieg gegen den Terror“ und der „Kampf der Kulturen“ begonnen, immer absurdere Verschwörungstheorien hätten die Runde gemacht. Dabei seien an jenem Septembermorgen in New York fast 3.000 Menschen ums Leben gekommen.
Ist die Ära des 11. September überhaupt zu Ende gegangen? Sind Verdächtigungen, Spaltungen und die Manipulation mit der Angst verschwunden? Nein, sie seien nach wie vor präsent. Das sei vielleicht der größte Triumph der Attentäter, stellt Damian Jankowski in der Monatszeitschrift Więź fest.
TYGODNIK POWSZECHNY: Gute Regeln allein reichen nicht
Die neuen Regelungen seien sehr gut. Aber das Problem der Ernährung von Kindern lasse sich nicht allein mit einer Verordnung lösen, schreibt Michał Kuźmiński in der Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny. Seit Monatsbeginn gelten in polnischen Schulen neue Regeln für die Verpflegung. Der Speiseplan muss pro Woche zwei Fleischgerichte, ein Fischgericht sowie ein Gericht auf Basis von Hülsenfrüchten ohne tierische Zutaten enthalten. Kindern und Jugendlichen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen soll eine pflanzliche Alternative angeboten werden. Außerdem müssen Suppen zweimal pro Woche auf Gemüsebrühe basieren.
Kuźmiński bezeichnet die neuen Vorgaben als sehr gute Regelungen, die aus Sicht der öffentlichen Gesundheit strategisch wichtig seien. Zugleich erinnert er an die Einschätzung von Experten, dass Ernährung abwechslungsreich und durchdacht sein sollte. Doch im nationalen Streit über Fleisch träten sachliche Argumente in den Hintergrund. Bei allen Argumenten über Eiweiß auf der einen sowie Krebsrisiken und den Schutz des Planeten auf der anderen Seite habe Fleisch für die Menschen eine Bedeutung, die weit über seinen praktischen Nutzen hinausgehe, schreibt Kuźmiński.
Fleisch sei ein besonders starkes Symbol des Konsums. Nicht ohne Grund dominiere in der polnischen Gastronomie das Modell des üppigen Steakhouses, des fettigen Burgerladens und des verführerischen Kebabs. Wir essen Fleisch, weil es zeigt, dass wir es uns leisten können. Darüber hinaus werde Fleisch in politischen und gesellschaftlichen Debatten im Internet mit der polnischen Identität verbunden. Das Problem der Kinderernährung lasse sich deshalb nicht allein mit einer Verordnung lösen – selbst wenn diese gut sei.
Die entscheidenden Fragen seien deshalb: Wurde die Verordnung – abgesehen von den durchaus positiv bewerteten Schulungen – auch mit einem realen Budget für Ausstattung und Personal hinterlegt? Gibt es ein Konzept für Ernährungsbildung, das über die Schule hinausgeht? Denn Gewohnheiten würden schließlich zuerst zu Hause erworben, lesen wir im Tygodnik Powszechny.
Autor: Jakub Kukla