Die Entscheidung erfolgte ohne formellen Rechtsakt. Hintergrund war vor allem die veränderte geopolitische Lage nach der polnisch-litauischen Union und der Entstehung der Adelsrepublik, durch die Krakau an den Rand des Staatsgebiets gerückt war. Warschau lag zentraler und zugleich näher an Schweden, mit dem sich der aus der Wasa-Dynastie stammende König intensiv befasste. Auch ein Brand auf dem Wawel, dessen Wiederaufbau Jahre in Anspruch genommen hätte, spielte eine Rolle.
Krakau blieb jedoch weiterhin formelle Krönungsstadt, in der fast alle Herrscher gekrönt wurden. Der endgültige Umzug des Hofes erfolgte erst am 24. Mai 1609, als Sigismund III. Wasa mit seiner Familie und dem Hofstaat nach Warschau übersiedelte.
Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich Warschau durch rege Bautätigkeit zur politischen Metropole. Neue Straßen und Residenzen entstanden unter anderem an der Krakowskie Przedmieście und der Ulica Miodowa. Die Stadt, in der schon zuvor Königswahlen und Sejm-Sitzungen stattfanden, wurde offiziell als „Residenzstadt Seiner Königlichen Majestät“ bezeichnet.
Die Warschauer Altstadt wurde dank den Bildern von Canaletto wiederaufgebaut.
Heute ist Warschau mit rund 1,86 Millionen Einwohnern die größte Stadt Polens und Sitz der wichtigsten Staatsorgane, darunter des Präsidenten, des Parlaments und der Regierung.
Als einzige Stadt des Landes wurde Warschau zudem mit dem Militärorden Virtuti Militari ausgezeichnet. Am 9. November 1939 verlieh Ministerpräsident und Oberbefehlshaber General Władysław Sikorski der Stadt den Silbernen Orden in Anerkennung des Widerstands der Bevölkerung gegen den deutschen Angriff.
PAP/jc