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Deutsche Redaktion

"Deutschland gibt Putin weiteres Druck-Instrument in die Hand"

23.02.2021 13:40
“Durch die Bindung von Europa an russisches Gas gibt Deutschland Vladimir Putin ein Werkzeug in die Hand, mit dem er die Realität beeinflussen kann. So, wie es in der Ukraine oder in Belarus der Fall war”, sagt im Interview mit dem Energetik-Portal Energetyka24 Vize-Außenminister Marcin Przydacz. 
Wiceminister spraw zagranicznych Marcin Przydacz
Wiceminister spraw zagranicznych Marcin PrzydaczPAP/Leszek Szymański

“Durch die Bindung von Europa an russisches Gas gibt Deutschland Vladimir Putin ein Werkzeug in die Hand, mit dem er die Realität beeinflussen kann. So, wie es in der Ukraine oder in Belarus der Fall war”, sagt im Interview mit dem Energetik-Portal Energetyka24 Vize-Außenminister Marcin Przydacz.

Und das, wie der Politiker betont, obwohl die EU alle Mittel in der Hand habe, um das Nord Stream 2 Projekt zu stoppen. Erforderlich sei nur die Entscheidung, diese anzuwenden. Und genau das würde Polen von den Partnern in der EU erwarten: Dass das Projekt der zweiten Nord Stream-Pipeline, im Geiste der Verantwortung für die Sicherheit der EU und im Geiste der Einhaltung der von ihnen häufig proklamierten Grundsätze, endgültig eingestellt wird.

Bisher, erinnert der Politiker, seien die Aufrufe der Länder der Region zur Einheit der Europäischen Union gegenüber Russland weitgehend ohne Echo verhallt. Die letzten Jahre - der Krieg im Donbass, die Krim-Annexion, der Fall Skripal, die Einmischung in die Wahlen in den Vereinigten Staaten und an mehreren anderen Orten oder die Inhaftierung von Alexei Navalny nach einem erfolglosen Versuch, ihn zu vergiften - würden die Natur des politischen Systems in Russland und die Art und Weise, wie Russland die Beziehungen zum Westen sieht klar zeigen. Wir in Polen, so der Politiker, könnten uns jetzt beleidigt zurücklehnen und angesichts dieser Naivität sagen: "Wir haben´s doch gesagt", aber nicht darum gehe es in der Außenpolitik.

Stattdessen liege es Polen an der gemeinsamen Sicherheit und daher auch an der Einhaltung der so genannten fünf Prinzipien der Zusammenarbeit der EU mit Russland, auf die sich alle Mitgliedsstaaten 2016 geeinigt hätten. Es gebe keinen Grund, diese zu ignorieren. In Bezug auf NS2 habe man bisher alles getan, um den europäischen Partnern zu zeigen, dass das Projekt nicht den Zielen dienen wird, die die Autoren des Projekts versucht hatten, uns einzureden. Und die neuesten Stimmen aus Frankreich würden zeigen, dass die Botschaft angekommen sei. Frankreich habe sich noch nie so offen gegen eine Vertiefung der Abhängigkeit der EU von russischem Gas ausgesprochen. Auch in Deutschland habe erstmals seit vielen Jahren eine ehrliche Diskussion über die Kosten der Zusammenarbeit mit Russland begonnen, nicht nur im PR- aber auch im strategischen Bereich.

Trotzdem bleibe die Gefahr der Fertigstellung der Pipeline immer noch enorm. Daher müsse Polen gleichzeitig mit aller Kraft die Diversifizierung der eigenen Energetik antreiben, unter anderem durch die Förderung erneuerbarer Energiequellen, die stärkere Integration mit dem europäischen Energienetz und Zusammenarbeit mit Partnern, wie den USA. Hier müsse das Verantwortungsbewusstsein für das Klima Hand in Hand mit der Verantwortung für die Sicherheit der Wirtschaft und Gesellschaft gehen, so Vize-Außenminister Marcin Przydacz im Gespräch mit dem Portal Energetyka24.  


adn