Die Ukraine hat laut der Nachrichtenseite cenzor.net ein Netzwerk von GRU-Spionen aufgedeckt, zu denen auch Derkach gehöre. Der Verdächtige soll alle paar Monate 3 bis 4 Millionen US-Dollar von der GRU erhalten haben, um subversive Aktivitäten im Namen Russlands auf ukrainischem Territorium durchzuführen. Ein großer Teil dieser Summe floss ukrainischen Ermittlern zufolge in Derkachs Taschen. Den Ermittlern zufolge betrieb der Abgeordnete der Werchowna Rada für die russischen Gelder ein Netz privater Sicherheitsfirmen im ganzen Land. Sie sollten später bei einer schnellen Machtübernahme in der Ukraine eingesetzt werden. Derkach sei das wichtigste Mitglied des GRU-Netzwerks in der Ukraine. In der Vergangenheit war der GRU-Spion auch Besitzer des Radiosenders ERA FM und hatte „Bekannte“ in Polen. Der ukrainische Staatsbürger wird derzeit auf Ersuchen des ukrainischen Sicherheitsdienstes vom ukrainischen Generalstaatsanwalt untersucht.
Die Ermittlungen zur Aufdeckung des GRU-Rings seien Medien nach schon lange im Gange gewesen. Der ukrainische Sicherheitsdienst konnte das Netzwerk aber erst zu Beginn des Krieges sprengen, indem er den ehemaligen Helfer von Derkach, Igor Kolesnikow, festnahm. Es war Kolesnikov, ein GRU-Spion namens "Veteran", der als Verbindungsperson und Finanzkurier zwischen den russischen Geheimdiensten und Derkach fungiert haben soll. Kolesnikow zufolge war Derkach 2016 von der GRU rekrutiert worden. Er hat direkt mit den Spitzenbeamten der Agentur zusammengearbeitet: dem Abteilungsleiter Igor Kostjukow und seinem Stellvertreter Wladimir Aleksejew. Nach seiner Verhaftung erklärte sich Kolesnikow bereit, mit ukrainischen Beamten zusammenzuarbeiten und gab umfangreiche Aussagen. Im Mai 2022 befand ihn das Gericht des Hochverrats für schuldig. Kolesnikov hatte detailliert beschrieben, wie das Netzwerk funktionierte, und seine eigene Rolle bei den Vorbereitungen für einen großangelegten Krieg erklärt. Kolesnikow sagte u.a.: „Während der Invasion, nachdem klar wurde, dass sich die Städte ergeben, sollten diese 'privaten Sicherheitsfirmen' die vorbeifahrenden militärischen Kampffahrzeuge schützen und mit Waffen und russischen Bannern erwarten, um so die russische Armee beim Einmarsch in die Städte zu decken."
Die GRU habe Kolesnikow zufolge auch geplant, zwei Brigaden von Speznaz und Spezialeinheiten, die aus Weißrussland einreisen sollten, beim Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew einzusetzen. Diese Einheiten sollten schnell auf Kiew vorrücken, die Kontrolle über Regierungsgebäude übernehmen und eine Sitzung der Werchowna Rada einberufen, die dann über die Ernennung einer neuen Regierung abstimmen würde. Dank der ukrainischen Armee seien diese Pläne nicht verwirklicht worden. Der ukrainische Sicherheitsdienst setzt seine Ermittlungen fort, um jeden zur Rechenschaft zu ziehen, der an der Schaffung und der Aktivität des „Geheimdienstnetzwerks“ der GRU in der Ukraine beteiligt war.
Andrii Derkach war auch auf dem Territorium des NATO-Mitglieds Polen aktiv gewesen. Zwischen 2010 und 2011 haben Władysław Bogdanowski, damals Vorstandsmitglied des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, und Marek Cajzner, ehemaliger Leiter der Polnischen BBC-Sektion und damaliger Direktor des Außendienstes des Polnischen Rundfunks, auch bekannt als "Radio Poland", Lobbyarbeit für Derkachs Radiosender ERA FM im Polnische Rundfunk geleistet. Es gelang ihnen Polens öffentlich-rechtliche Hörfunkanstalt davon zu überzeugen, einen Rundfunkvertrag für eine große Geldsumme zu unterzeichnen. Gemäß dem Vertrag sollten die Programme der ukrainischen Sektion des Polnischen Rundfunks von ERA FM ausgestrahlt werden. Einem Radiosender, der einem russischen Agenten gehörte. Auf Einladung von Władysław Bogdanowski und Marek Cajzner traf sich Derkach sogar mit den Journalisten der ukrainischen Sektion des Polnischen Rundfunks in den Räumlichkeiten des öffentlich-rechtlichen Senders. Bei dem Treffen stellte Derkach zusammen mit dem Programmdirektor von ERA FM den Mitarbeitern der ukrainischen Sektion des Polnischen Rundfunks ihre Vision einer „Programmkooperation“ vor. Als Ergebnis der Entscheidungen von Władysław Bogdanowski und Marek Cajzner erhielt ERA FM die exklusiven Rechte zur Ausstrahlung der Programme der ukrainischen Sektion des Polnischen Rundfunks auf ukrainischem Territorium.
2016 hat der neu ernannte Vorstand des Polnischen Rundfunks den Vertrag mit Derkachs Firma gekündigt. Die Sendungen der ukrainischen Sektion des Polnischen Rundfunks wurden in der Ukraine von Hromadske Radio ausgestrahlt, einem Bürgerrundfunk aus unabhängigen Journalisten, der nach der Revolution der Würde 2014 reaktiviert wurde. Bereits 2012 weckten die Aktivitäten von Andrii Derkach auf dem polnischen und ukrainischen Medienmarkt das Interesse polnischer Medien (fakty.interia.pl, Tageszeitung Gazeta Polska Codziennie, wsieciprawdy.pl, salon24.pl., www.gazetaprawna.pl, niezalezna.pl). Die polnischen Medien haben festgestellt, dass Derkach als Berater von Wiktor Janukowitsch gedient hatte und brandmarkten ihn als „Propagandisten“ des Janukowitsch-Regimes. Damals gab Miron Sycz als Abgeordneter der regierenden Bürgerplattform (PO) zu, Derkach gekannt zu haben. Auf die Frage von Maciej Marosz von GPC, ob er wisse, dass Derkach seinen Abschluss an der Akademie des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation in Moskau gemacht habe, antwortete Sycz: „Natürlich, ich kenne ihn persönlich.“ Festgestellt wurde, dass Miron Sycz Treffen mit Andrii Derkach hatte. Heute vertritt Sycz die Bürgerplattform als stellvertretender Leiter der polnischen nord-zentralen Woiwodschaft Warmińsko-Mazurskie. Er sitzt auch im Vorstand des Bundes der Ukrainer in Polen.
Quelle: https://censor.net/ua/n3349950/ The spokesman for Ukraine’s Security Service
Autor: Andrzej Rybałt /Übersetzung ins Deutsche: ps