Im Anschluss an eine am Montag von der UN verabschiedete Resolution werde „ein internationaler Mechanismus geschaffen, um das Ausmaß der Verluste, die die Ukraine erlitten hat, und die Notwendigkeit einer Wiedergutmachung dieser materiellen Verluste durch Russland zu bestimmen", sagte Jarosław Sellin am Dienstag im Gespräch mit der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Der polnische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Krzysztof Szczerski, habe zuvor beim UN-Sitz an die Mitgliedstaaten appelliert, für die Resolution zur „Förderung von Wiedergutmachung und Reparation für die Aggression gegen die Ukraine" zu stimmen, berichteten Medien.
„Das zeigt, dass diese Art von Thema in der Weltöffentlichkeit lebendig ist. Deshalb erinnern wir an das Drama von vor 80 Jahren, an den deutschen Überfall auf Polen und die Verwüstung, die er über unser Volk und unser Land gebracht hat. Ich glaube, dass wir in Zukunft eine bessere Chance haben, Reparationen von Deutschland zu erhalten, weil wir keine bekommen haben", so Sellin.
Polen sei im Verhältnis zu seiner Bevölkerung vor dem Krieg am meisten Unrecht angetan worden, fuhr der Minister fort. Hier habe die Besatzung am längsten gedauert und die materiellen Verluste, einschließlich der totalen Zerstörung der Hauptstadt, aber auch der Massendeportation und des Diebstahls beweglicher Kulturgüter, seien am schwersten gewesen. „So darf es nicht sein, diese Ungerechtigkeit, dieser Schaden, muss behoben werden. Ich denke, dass dies auch ein langfristiger Prozess ist", betonte er.
Geht es nach dem stellvertretenden Kulturminister, würden die Deutschen gerne der Welt erzählen, „dass sie eine Art moralische Supermacht sind, dass sie mit der Geschichte abgerechnet haben." „Nein, wenn sie sich mit diesem Thema, der Wiedergutmachung (...) nicht befasst haben, bedeutet das, dass sie keine moralische Macht sind und dass sie die Geschichte nicht verarbeitet haben. Ich denke, es wird schmerzhaft für sie sein, sich an diese Wahrheit zu erinnern, und früher oder später werden sie zu der Einsicht reifen, dass, wenn sie weiterhin ein solches Narrativ um sich herum aufbauen wollen, diese Frage des nicht behobenen Unrechts gegenüber Polen und den Polen gelöst werden muss", betonte Sellin.
PAP/ps