Weitere Echos der Kontroversen zur Haltung der Polen gegenüber dem Holocaust. Geht es nach Bildungsminister Przemysław Czarnek, analysiere sein Ressort, wer den Brief zur Verteidigung von Professorin Barbara Engelking unterzeichnet hat. Die Wissenschaftlerin hatte bei einem Interview zum Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto gesagt, dass Erpressung von Juden ein weit verbreitetes Phänomen unter den Polen gewesen ist und nur eine kleine Gruppe Juden während des Zweiten Weltkriegs geholfen habe.
Geht es nach Czarnek, hätten die von Barbara Engelking aufgestellten Thesen über den Holocaust nichts mit Wissenschaft zu tun. Es handele sich um nichts mehr als um eine Verleumdung der Nation und des guten Rufs Polens durch eine Dame, die keine wissenschaftliche Grundlage für ihre Thesen habe. "Und wenn mehrere hundert Wissenschaftler den Brief unterschrieben haben, der angeblich zur Verteidigung der Wissenschaft dient, obwohl er nichts mit der Wissenschaft zu tun hat (...), dann analysieren wir auch, von welcher Universität sie stammen, und wir werden darauf reagieren", so Czarnek.
Gleich nach der Ausstrahlung des Interviews hatte Czarnek angekündigt, dass er finanzielle Entscheidungen in Bezug auf das Institut für Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften, in dem Barbara Engelking beschäftigt ist, überprüfen werde. Daraufhin ist ein Brief zu ihrer Verteidigung verfasst worden, den mehrere hundert Wissenschaftler signierten.
IAR/adn