Deutsche Redaktion

US-Angriff auf Venezuela: Experte sieht Rückkehr zur Politik der Großmächte

03.01.2026 13:54
Die US-Militärschläge in Venezuela und die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro sind nach Einschätzung des amerikanistischen Politikwissenschaftlers Tomasz Płudowski ein Signal für die Rückkehr zur Politik der Großmächte und eine klare Bekräftigung des US-Anspruchs auf Vorrang in der westlichen Hemisphäre. Washington mache deutlich, dass Lateinamerika weiterhin als amerikanischer Einflussraum verstanden werde, sagte Płudowski der polnischen Nachrichtenagentur PAP.
To oni pojmali Nicolasa Maduro
To oni pojmali Nicolasa MaduroPAP/EPA/ETIENNE LAURENT

In der Nacht zum Samstag waren in der Hauptstadt Caracas mehrere Explosionen und niedrig fliegende Flugzeuge zu hören. US-Präsident Donald Trump erklärte anschließend, die Vereinigten Staaten hätten eine groß angelegte Militäroperation gegen Venezuela erfolgreich durchgeführt. Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores seien gefasst und außer Landes gebracht worden. US-Regierungsvertreter deuteten an, dass Maduro sich in den USA vor Gericht verantworten könnte.

Nach Auswertung von Aufnahmen in sozialen Medien zählten zu den angegriffenen Zielen nach Angaben des Portals Infobae der Militärkomplex Fort Tiuna in Caracas mit Verteidigungsministerium und Armeeführung, die Luftwaffenbasis La Carlota, der Flughafen im Küstenort Higuerote sowie eine Militärschule in La Guaira. Die wichtigsten Anlagen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA seien hingegen nicht beschädigt worden; Förderung und Raffination von Erdöl liefen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge weiter wie gewohnt.

„Die Entwicklung war nicht überraschend, der militärische Druck der USA auf Venezuela war seit Langem offensichtlich“, sagte Płudowski von der Universität Vizja. Nach den vorliegenden Medienberichten sei Maduro verhaftet und außer Landes gebracht worden. „Ich gehe davon aus, dass nun Wahlen organisiert werden“, sagte er.

Anknüpfung an Monroe-Doktrin

Płudowski ordnete die US-Intervention in eine veränderte amerikanische Sicherheitsdoktrin ein, die an die gut 200 Jahre alte „Monroe-Doktrin“ anknüpfe. Diese war am 2. Dezember 1823 im Jahresbericht von Präsident James Monroe an den Kongress formuliert worden und richtete sich gegen weitere Kolonisierung oder politische Expansion europäischer Mächte auf dem amerikanischen Kontinent. Im Gegenzug sagten die Vereinigten Staaten zu, sich nicht in europäische Konflikte und Kolonialangelegenheiten einzumischen.

„Heute würden wir anstelle der europäischen Mächte vor allem von Russland und China sprechen und von deren Nicht-Einmischung in Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre, also beider Amerikas“, erläuterte der Politologe. Russland habe Maduro politisch unterstützt, China sei ein wichtiger Abnehmer venezolanischen Öls gewesen. Vor diesem Hintergrund sei die Intervention auch als Botschaft an Moskau und Peking zu verstehen. „Wir haben es mit einem Beispiel für die Rückkehr zur Politik der Großmächte zu tun und mit der Markierung, dass dieser Raum unter amerikanischem Einfluss steht“, so Płudowski.

Zugleich verwies der Experte auf die innere Lage Venezuelas. Die wirtschaftliche und politische Krise habe die Bevölkerung stark belastet, ein erheblicher Teil der Bürger sei ausgewandert. „Die Menschen verarmen, Schätzungen zufolge hat etwa ein Drittel der Venezolaner das Land verlassen“, sagte er. Viele seien unzufrieden mit den herrschenden Verhältnissen und hofften auf mehr Ordnung, demokratische Strukturen und eine bessere Nutzung des Rohstoffreichtums zugunsten der gesamten Gesellschaft. Bislang habe sich dieser Reichtum nur begrenzt im Alltag der Menschen niedergeschlagen.

USA streben stärkere wirtschaftliche Präsenz in Venezuela an

Als eines der Ziele Washingtons nannte Płudowski eine stärkere wirtschaftliche Präsenz in dem rohstoffreichen Land. „Die USA werden höchstwahrscheinlich Zugang zu den venezolanischen Erdölvorkommen oder zumindest bessere Handelsbedingungen erhalten“, sagte er. Das betreffe auch andere natürliche Ressourcen. Ein weiterer möglicher Effekt der veränderten Lage könne die Erschwerung von Drogentransporten in die Vereinigten Staaten sein. „Das könnte den Drogenhandel beeinträchtigen, wobei der Großteil der Rauschmittel aus anderen Regionen in die USA gelangt“, betonte der Politologe.

In der Gesamtschau sind die Ereignisse in Venezuela nach Płudowskis Analyse mehr als nur ein nationaler Machtwechsel. Sie stünden exemplarisch für eine Phase, in der die Vereinigten Staaten ihre Rolle als bestimmende Macht in der westlichen Hemisphäre neu betonen und zugleich anderen globalen Akteuren Grenzen aufzeigen.

PAP/adn

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