Die Durchführung einer Blitzoperation, die mit der Festnahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro endete, unter Einsatz von Hubschraubern und Spezialkräften, bestätigt die Nützlichkeit der kürzlich veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie der USA. Washington setzt damit einerseits die Annahmen der Monroe-Doktrin aus dem 19. Jahrhundert um, andererseits zeigt es, wie eklatant effektiv die Amerikaner handeln können. Es ist daher schwer, die einstündige amerikanische „special military operation” nicht mit der bereits seit 1410 Tagen andauernden russischen „speziellen Militäroperation” zu vergleichen.
Flashback zu 2022
Ein Teil der Öffentlichkeit erlebte heute zweifellos eine Art Flashback zum 24. Februar 2022, als russische Hubschrauber von Belarus aus die Grenze zur Ukraine überquerten und zum Flughafen in Hostomel flogen, um ihn einzunehmen und den Boden für eine Landumzingelung Kiews vorzubereiten. Die Ukrainer schossen damals vier russische Maschinen ab, zerschlugen teilweise die Elitelandetruppe und vertrieben nach einem Monat die Russen aus dem Norden des Landes.
Die Amerikaner verloren bei der heutigen Operation keinen einzigen Chinook, Black Hawk oder Apache und drangen ungehindert in den Luftraum der venezolanischen Hauptstadt ein, die durch eines der stärksten Luftverteidigungssysteme geschützt wird, das unter anderem auf russischer und chinesischer Ausrüstung basiert. Einerseits zeugt dies von der enormen Arbeit, die von den amerikanischen Geheimdiensten geleistet wurde, andererseits weckt es begründete Verdachtsmomente hinsichtlich einer weitreichenden Inszenierung des gesamten Unternehmens.
Unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg der weiteren Entwicklung der Situation im Regime-Change-Szenario zeigen Donald Trump und die Vereinigten Staaten ihren Rivalen, dass Muskeln spielen lassen in ihrem Fall nicht nur ein rhetorischer Kunstgriff ist, sondern dass der Einsatz bewaffneter Gewalt ein reales und grundlegendes Instrument der Außenpolitik darstellt. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die globale Sicherheitsarchitektur, die sich immer deutlicher in Richtung systemischer Instabilität bewegt.
Ob das Regime der Ajatollahs im Iran, das seit einer Woche in einer inneren Krise steckt, oder das Regime auf Kuba auf dem Radar der Amerikaner erscheinen wird, werden die kommenden Wochen des Jahres 2026 zeigen. Sicher ist hingegen das Tempo des Wandels im Denken über die Welt – laut Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) waren die Jahre 2024 und 2025 hinsichtlich der Anzahl vollumfänglicher bewaffneter Konflikte die aktivsten seit dem Zweiten Weltkrieg. Das bedeutet, dass die Welt in eine Phase des Chaos in den internationalen Beziehungen eintritt: Die bisherige Ordnung ist zusammengebrochen, und eine neue hat sich noch nicht herausgebildet (um präzise zu sein – es fehlt heute selbst eine Debatte darüber, welche Ordnung wir aufbauen wollen).
Eindeutige Botschaft and die Welt
Von diesen Bedingungen werden Führer mit offen autoritären Zügen profitieren, die militärische Gewalt – im Sinne Machiavellis – als natürliches Instrument der Politik betrachten. Das nach Russlands „Operation” gegen die Ukraine über Russland verhängte Tabu fällt, und gleichzeitig öffnet sich ein Möglichkeitsfenster für China, das ein analoges Szenario gegenüber Taiwan plant. Die Botschaft der heutigen US-Operation ist eindeutig: Großmächte haben das Recht, ihre eigenen Interessen auf Kosten der Reste einer auf Recht basierenden Ordnung zu verwirklichen – einer Ordnung, die, wie einige zu Recht bemerken werden, in den letzten drei Jahrzehnten selbst ein Werkzeug in den Händen des Hegemons war.
Gleichzeitig bleibt der Spielraum hier begrenzt, wie sehr das russische Außenministerium auch versuchen mag, dem Globalen Süden das Narrativ von der „amerikanischen Aggression” zu verkaufen. Der Kreml verliert einen weiteren Quasi-Verbündeten, dem er hartnäckig postsowjetische Waffen verkaufte, und gleichzeitig taucht das Gespenst einer amerikanischen Kontrolle über die venezolanischen Ölvorkommen auf, was den Prozess der Marginalisierung des russischen Exports von „schwarzem Gold” abschließen könnte. Der Moskau sekundierende Alaksandr Lukaschenka, der von einem „zweiten Vietnam” donnert, spielt ebenfalls nicht in seiner Liga – Lateinamerika bleibt nämlich in der Optik der USA eine natürliche Einflusssphäre, in der externe Akteure nur in begrenzte Handlungsfähigkeit haben.
Das klingt jedoch aus der Perspektive Europas, das mit dem russischen Neoimperialismus kämpft, der übrigens auf derselben Logik der Einflusssphären basiert, nicht optimistisch. Wenn jedoch dieser Modus bereits angenommen wurde und der Westen nicht in der Lage ist, die Veränderung des sich formierenden Paradigmas zu beeinflussen, muss Europa beginnen, sich auf eigene, breitgefächerte „Spezialoperationen” vorzubereiten – die auf die Enthauptung des Gegners abzielen.
Leon Pińczak
Analyst für Sicherheit und Ostangelegenheiten, Polityka Insight