Das Zentrum für Meinungsforschung CBOS hat eine Mitteilung zu der Analyse „Polen über die Hilfe für ukrainische Flüchtlinge und die Zukunft des Krieges“ veröffentlicht. „In den vergangenen sechs Monaten haben sich die Einstellungen der Polen gegenüber ukrainischen Flüchtlingen erneut leicht verschlechtert und setzen damit den Trend fort, der – mit nur kurzen Unterbrechungen – seit Mitte 2023 zu beobachten ist“, schrieb der Soziologe Dr. Jonathan Scovil vom Migrationsforschungszentrum der Universität Warschau in der Analyse.
„Der Anteil der Stimmen, die ihre Aufnahme unterstützen, ist so niedrig wie nie zuvor, während der Anteil der ablehnenden Stimmen so hoch ist wie seit Beginn der Beobachtung dieses Themas, also seit der russischen Annexion der Krim“, hieß es in der Analyse. Die über Jahre bestehende Mehrheit der Befürworter sei demnach inzwischen auf ein Minimum geschrumpft. „In der polnischen Gesellschaft überwiegt zudem die Ansicht, dass die Hilfe, die unser Land ukrainischen Flüchtlingen gewährt, zu großzügig ist, auch wenn nur ein geringer Teil der Befragten deren Umfang für angemessen hält“, so der Experte.
Seiner Einschätzung nach seien die meisten Polen zudem der Meinung, dass Sozialleistungen und Angebote wie das Programm 800+ oder der kostenlose Zugang zur Gesundheitsversorgung nur jenen Ukrainern zustehen sollten, die in Polen arbeiten und Steuern zahlen.
Mehr als die Hälfte der Polen würde auch weiterhin im Zusammenhang mit dem Krieg als Hauptziel die Herstellung von Frieden sehen – selbst um den Preis territorialer Zugeständnisse. Gleichzeitig sei der Anteil derjenigen, die glauben ein fortgesetzter und kompromisslosen Widerstand gegen Russland sei notwendig, leicht gestiegen. Die Mehrheit würde jedoch den erstgenannten Ansatz befürworten. Die Erwartungen der Polen hinsichtlich eines Endes des Krieges hätten sich damit wenig verändert.
„Obwohl die Mehrheit weiterhin davon ausgeht, dass die Ukraine einen Teil ihres Territoriums aufgeben wird, ist der Anteil dieser Einschätzungen in den vergangenen sechs Monaten leicht gesunken. Der Anteil der Prognosen, die für die Ukraine günstiger ausfallen – also einen Abzug der russischen Truppen aus den seit 2022, ja sogar seit 2014 besetzten Gebieten annehmen –, ist nahezu unverändert geblieben. Zugenommen hat hingegen der Anteil der Antworten ‚schwer zu sagen‘“, hieß es in der Umfrage.
PR/CBOS/ps