Zugleich warnte Selenskyj, dass die Chancen auf eine Einigung schwänden, je mehr Zivilisten bei russischen Angriffen ums Leben kämen. Jeder weitere Angriff auf die Zivilbevölkerung entferne die Aussicht auf ein Abkommen, betonte der ukrainische Präsident.
Selenskyj warnte zudem vor einer möglichen Ausweitung des Krieges auf Europa. „Die an die Ukraine angrenzenden Länder verstehen, dass Russland weitergehen wird, wenn die Ukraine den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht aufhält“, sagte er.
Ein diplomatischer Weg bedeute jedoch weder Kapitulation noch die Akzeptanz eines russischen Ultimatums, stellte Selenskyj klar. Die von Moskau geforderte Bedingung eines Abzugs der ukrainischen Armee aus dem Donbas sei für die Regierung in Kiew eine „rote Linie“. Selbst ein Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie wäre aus seiner Sicht bereits „ein großer Fortschritt“.
Nach Angaben Selenskyjs sind seit Beginn der russischen Vollinvasion rund 55.000 ukrainische Soldaten getötet worden, viele weitere gelten als vermisst. In naher Zukunft soll zudem der erste Gefangenenaustausch mit Russland in diesem Jahr stattfinden, kündigte er an.
Unterdessen kamen am Mittwoch in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten Delegationen der Ukraine, der USA und Russlands zu trilateralen Gesprächen über ein Ende des Krieges zusammen. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umierow sprach von „sachlichen und produktiven Gesprächen, die auf konkrete Schritte und praktische Lösungen ausgerichtet waren“. Das Büro Selenskyjs teilte mit, dass die Gespräche am Donnerstag fortgesetzt werden sollen.
France2/jc