Deutsche Redaktion

Vor 85 Jahren: Beginn der Deportationen von Juden aus Oświęcim

09.03.2026 11:43
Am 9. März 1941 begannen die Deutschen mit der Umsiedlung der Juden aus Oświęcim in Ghettos. Nachdem die Stadt in das Deutsche Reich eingegliedert worden war, änderten die Besatzer ihren Namen in Auschwitz. Die meisten Mitglieder der rund siebentausend Menschen zählenden jüdischen Gemeinde wurden später im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
Teren byłego obozu Auschwitz w Oświęcimiu
Teren byłego obozu Auschwitz w OświęcimiuPAP/Jarek Praszkiewicz

Die Deutschen besetzten Oświęcim am 3. September 1939. Im Oktober wurde die Stadt dem Deutschen Reich einverleibt. Gleichzeitig änderten die Besatzer ihren Namen und lösten die städtischen Behörden auf, in denen viele Juden vertreten waren. Zivilverwalter der Stadt wurde Rudolf Skaletz.

Für die jüdische Bevölkerung begann damit der tragischste Abschnitt ihrer Geschichte. Ein vollständiges Handelsverbot für jüdische Kaufleute führte zu einer dramatischen Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen und sanitären Lage sowie der Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs.

In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1939 setzten die Deutschen die Große Synagoge der Stadt in Brand. Ende Dezember wurden Juden verpflichtet, am linken Arm Armbinden mit dem Davidstern zu tragen. Täglich wurden etwa 120 bis 200 Menschen zu Zwangsarbeit eingesetzt.

Seit Anfang Mai 1940 mussten auf Antrag des späteren Lagerkommandanten Rudolf Höss etwa 250 bis 300 Männer das Gelände ehemaliger Kasernen aufräumen, in denen das Konzentrationslager entstehen sollte. Dieses Lager wurde zunächst eingerichtet, um Polen zu inhaftieren. Im Frühjahr 1940 beschlagnahmten die Deutschen außerdem Unternehmen, Fabriken und Geschäfte jüdischer Einwohner der Stadt und übergaben sie deutschen Verwaltern.

Im Herbst 1940 führten die deutschen Behörden eine Volkszählung durch. Die Stadt hatte damals rund 11.200 Einwohner, darunter 7.613 Juden. Oświęcim wurde zugleich zu einem Ort der Konzentration jüdischer Bevölkerung. Juden wurden aus zahlreichen Städten und Orten hierher gebracht, unter anderem aus Andrychów, Bielsko-Biała, Cieszyn, Katowice, Mysłowice und Żywiec.

Die Historikerin Lucyna Filip schreibt in ihrem Buch „Żydzi w Oświęcimiu 1918–1941“, dass der SS-Chef Heinrich Himmler am 26. Februar 1941 die Deportation der jüdischen Bevölkerung der Stadt in die Ghettos von Chrzanów, Będzin und Sosnowiec anordnete. Die Wohnungen der Juden wurden für Arbeiter benötigt, die die Buna-Werke errichteten.

Die Umsiedlungsaktion begann am 9. März 1941. Die ersten Transporte gingen nach Chrzanów. Weitere Deportationen folgten vom 2. bis 7. April. Dabei wurden mehr als 5.000 Menschen nach Będzin und Sosnowiec gebracht. Vor der Deportation wurden die Juden an verschiedenen Orten der Stadt zusammengetrieben, der wichtigste Sammelpunkt befand sich auf dem Marktplatz. Sie durften zwar ihr Hab und Gut mitnehmen, doch viele konnten den Transport nicht bezahlen, da sie schon lange kein Einkommen mehr hatten. Wertgegenstände wie Pelze, Teppiche oder Schmuck mussten sie abgeben, die von den Deutschen beschlagnahmt wurden.

Die Ghettos wurden zwischen April 1942 und August 1943 aufgelöst. Die meisten dorthin deportierten jüdischen Einwohner von Oświęcim wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

„Den Nationalsozialisten gelang es, ihren Plan umzusetzen. Oświęcim, ihr Auschwitz, wurde – wie es damals hieß – judenrein. Die einst lebendige jüdische Gemeinde hörte auf zu existieren“, schrieb Lucyna Filip. Nach der Befreiung kehrten von den mehr als 7.000 früheren jüdischen Einwohnern nur wenige zurück – etwa 186 Menschen. Unter ihnen waren Leon Schoenker, Rabbiner Kuppermann und Mosze Goldberg. Sie beschlossen zu bleiben und die Gemeinde wieder aufzubauen, doch dieser Versuch scheiterte.

Nach dem Krieg emigrierten die meisten Juden. In der Stadt blieb schließlich nur noch einer: Szymon Kluger. Er starb im Jahr 2000 und wurde auf dem jüdischen Friedhof von Oświęcim beigesetzt.

Juden lebten in Oświęcim bereits seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der jiddischen Sprache nannten sie die Stadt Oszpicin.


IAR/jc

 

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