Die Bauern werfen der Regierung in Warschau „Untätigkeit angesichts einer drohenden Katastrophe“ vor. Sie wollen vor dem Amt des Ministerpräsidenten symbolisch einen Tabakblock zu Grabe tragen. „Wir fordern keine Privilegien oder Subventionen – wir fordern das Recht auf Arbeit, Entwicklung und Stabilität“, erklärten die Organisatoren.
Nach Einschätzung der polnischen Tabakverbände bedrohen zwei internationale Initiativen die Existenz des Sektors. Zum einen sieht der Entwurf der neuen EU-Steuerrichtlinie TED vor, dass bereits rohe Tabakblätter als steuerpflichtige Produkte gelten. Damit wären nationale Verarbeitungsbetriebe verpflichtet, jährliche Steuersicherheiten von bis zu 300 Millionen Złoty (rund 70 Millionen Euro) zu hinterlegen. „Das würde sofortige Insolvenzen zur Folge haben“, warnen die Verbände.
Zum anderen drängt die WHO auf eine langfristige Abschaffung des Tabakanbaus weltweit. Während der COP-XI-Konferenz in Genf (17. bis 22. November 2025) sollen zentrale Entscheidungen darüber fallen. Die Pflanzer kritisieren, dass diese Pläne „ohne jegliche Bewertung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen“ getroffen würden.
„Diese Untätigkeit der Regierung ist nicht nur ein Fehler – sie ist eine Bedrohung für die polnische Landwirtschaft und das Landleben“, heißt es in einem Manifest der Demonstranten. „Die polnischen Tabakpflanzer sprechen mit einer Stimme: Genug der Untätigkeit! Zeit zu handeln!“
In Polen gibt es rund 13 000 landwirtschaftliche Betriebe, die Tabak anbauen, vor allem in den Regionen Lublin und Karpatenvorland im Osten des Landes. Für viele Familien ist der Tabakanbau dort die wichtigste oder einzige Einkommensquelle. Polen zählt zu den führenden Tabakproduzenten Europas und ist der größte Exporteur fertiger Zigaretten in der EU.
Die Landwirte appellieren an die Regierung in Warschau, bei der EU und der WHO eine klare Haltung einzunehmen. Sie fordern die Ablehnung der TED-Richtlinie, ein Veto gegen die WHO-Pläne und die Entsendung von Regierungsvertretern zu den bevorstehenden Verhandlungen in Genf.
„Die Regierung – national wie europäisch – muss aufhören, polnische Landwirte als Problem zu betrachten, und anfangen, sie als nationalen Wert zu schützen“, erklärten die Pflanzer in ihrem Aufruf.
IAR/jc