Zum Internationalen Theatertag 2026 ruft der Regisseur Marcin Wierzchowski zu einem „Theater des Friedens“ auf. In seiner polnischen Botschaft schreibt er, das Theater des Krieges sei in seinem Wesen auf Bewaffnung ausgerichtet, das Theater des Friedens dagegen auf Verletzlichkeit. Gerade in dunklen Zeiten brauche es eine Bühne, die nicht auf Abgrenzung, sondern auf Begegnung setze.
Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist ein hasserfüllter Online-Kommentar, in dem Wierzchowski ein tieferes Bedürfnis erkennt: das Bedürfnis nach einem Theater für schwierige Zeiten. Er beschreibt eine Gegenwart, in der Angst in Hass umschlage und Neugier durch Gewissheit ersetzt werde. Wo Fragen verstummten und Menschen nur noch als Gegner erschienen, entstehe ein „Theater des Krieges“.
Scharf kritisiert der Regisseur die „vierte Wand“, die Bühne und Publikum voneinander trenne. In ihrer mentalen Form werde sie zur Barrikade zwischen „Wir“ und „Ihr“. Diese Spaltung präge nicht nur das Verhältnis zum Zuschauerraum, sondern auch den Theaterbetrieb selbst, in dem autoritäre und entwürdigende Denkweisen fortwirkten.
Dem setzt Wierzchowski ein anderes Verständnis von Theater entgegen: nicht „Wir und Ihr“, sondern „Ich und Du“. Theater werde erst dann zum Ort des Friedens, wenn sich Bühne und Zuschauerraum als Begegnung zweier Verletzlichkeiten begreifen. Schauspieler und Publikum brächten ihre eigenen Wunden, Zweifel und Erfahrungen mit; erst Vertrauen und Offenheit machten daraus ein gemeinsames Erlebnis.
Wenn Theater ein Spiegel sei, schreibt Wierzchowski, dann ein doppelseitiger. Auf der Bühne stehe eine Geschichte, die aus gelebter Erfahrung erwachse, im Saal säßen Menschen mit ihren eigenen Brüchen. Ein solches Theater werde immer – selbst vor vollem Haus – für einen einzelnen Zuschauer gespielt. Genau dieses Theater des Friedens wünsche er sich für die gegenwärtigen dunklen Zeiten.
PAP/adn