Die Affäre um mögliche Liquiditätsprobleme bei Zondacrypto hat in Polen eine neue Dimension erreicht: Nun will auch die Staatsanwaltschaft Medienberichte über mögliche Unregelmäßigkeiten prüfen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft geschieht dies auf Initiative des Generalstaatsanwalts im Rahmen eines bereits laufenden Ermittlungsverfahrens der schlesischen Abteilung zum Verschwinden von Sylwester Suszek, dem Gründer von BitBay, dem Vorgänger von Zondacrypto.
Auslöser der Debatte sind Medienberichte, wonach die größte polnische Kryptobörse erhebliche Probleme mit der Liquidität haben könnte. Im Raum steht ein Rückgang der Bitcoin-Reserven um 99 Prozent. Zudem berichteten money.pl und Wirtualna Polska über Auszahlungsprobleme bei Nutzern sowie über ausstehende Zahlungen an zumindest einen Teil der von der Börse gesponserten Sportklubs.
Politischer Streit um Krypto-Gesetz
Die Berichte hatten bereits eine politische Kontroverse ausgelöst. Innenminister Marcin Kierwiński und Finanzminister Andrzej Domański verwiesen auf ein vom Präsidenten blockiertes Gesetz zur Regulierung des Kryptomarkts, das aus ihrer Sicht den Schutz von Kunden und die Befugnisse der Finanzaufsicht erweitert hätte. Konfederacja-Chef Sławomir Mentzen hielt dagegen, Zondacrypto werde aus Estland geführt, daher hätte das Gesetz an der Situation nichts geändert.
Zondacrypto-Chef Przemysław Kral wies die Vorwürfe zurück. Er bezeichnete das Unternehmen als stabil, zahlungsfähig und sicher. Den Berichten warf er vor, auf fehlerhaften Analysen und einem unzutreffenden Verständnis der Arbeitsweise lizenzierter Finanzinstitute zu beruhen.
Die polnische Finanzaufsicht KNF erklärte zudem, sie sei für die Aufsicht über Kryptobörsen nicht zuständig und habe deshalb keine Befugnisse, die Tätigkeit von Zondacrypto zu überwachen.
IAR/adn