Trump habe wiederholt seine Enttäuschung über die NATO und andere Verbündete zum Ausdruck gebracht, hieß es. Trotz der Stationierung tausender US-Soldaten in Europa seien Bitten Washingtons zur Nutzung von Militärbasen zur Wahrung amerikanischer Interessen zurückgewiesen worden. Die USA würden zwar ihre Partner unterstützen, ließen sich aber nicht „von sogenannten Verbündeten ausnutzen“, so Kelly.
Tusk hatte in einem Interview mit der „Financial Times“ Zweifel daran geäußert, ob die Beistandsgarantie nach Artikel 5 des NATO-Vertrags im Ernstfall tatsächlich greifen würde. Er habe „manchmal gewisse Probleme“, daran zu glauben, sagte der Regierungschef. Zugleich betonte er, die USA betrachteten Polen als einen der engsten Verbündeten in Europa. Entscheidend sei jedoch, wie sich diese Zusagen „in der Praxis“ bewähren würden.
Mit Blick auf einen möglichen Konflikt mit Russland sprach Tusk von einer „sehr ernsten Angelegenheit“ in einer kurzfristigen Perspektive von Monaten. Für Polen sei es entscheidend, sicher zu sein, dass alle NATO-Staaten ihre Verpflichtungen ebenso ernst nehmen wie Warschau.
Der US-Botschafter in Polen, Tom Rose, wies die Zweifel zurück. Seit dem Ende des Kalten Krieges habe kein Land enger an der Seite der USA gestanden als Polen, erklärte er auf der Plattform X. Die amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung Polens sei „eisern und felsenfest“. Zugleich räumte er ein, auch Washington stelle sich die Frage nach der Loyalität seiner Partner.
Tusk bekräftigte später, er habe „keinen Grund, an der Aufrichtigkeit der Absichten“ der Verbündeten zu zweifeln. Allerdings seien „praktische Entscheidungen“ notwendig, um im Ernstfall schnell handeln zu können. Europa müsse zudem stärker Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen.
PAP/jc