Als der Kulturpalast am 21. Juli 1955 eröffnet wurde, galt der 237 Meter hohe Turm als Geschenk Moskaus an Warschau – und als Manifest des Sozialistischen Realismus. 70 Jahre später ist das Gebäude zugleich Symbol, Streitobjekt und Denkmal der polnischen Hauptstadt.
Entworfen von Lew Rudnew, entstand der Bau nach dem Muster der Moskauer „Sieben Schwestern“. Seine gestaffelten Fassaden, Keramikplatten und Spitzgiebel erinnern jedoch ebenso an amerikanische Art-déco-Wolkenkratzer. „Die Architekten übernahmen Formen, passten sie der Ideologie an und suchten zugleich nach polnischen Anklängen“, sagt Architektin Marta Geras. So verweisen Renaissance-Attiken auf Zamość, Kolonnaden im Sockelbereich auf Warschaus klassizistische Tradition.
Städtebaulich blieb der Palast ein Solitär: Er dominiert bis heute den Defiladenplatz, ein weiträumiges Freifeld mitten im Zentrum. Seit seiner Fertigstellung – damals das zweithöchste Gebäude Europas – hat sich das Äußere nur wenig verändert: 2000 kam ein vierseitiger Uhrturm hinzu, die Spitze füllten Antennen, 2007 folgte der Eintrag in die Denkmalliste.
Am 22. Juli 1955 wurde der Turm erstmals für Besucher geöffnet. Seither haben sich Befürworter und Gegner an seinem Anblick gerieben – doch aus der Skyline Warschaus ist der „PKiN“ nicht mehr wegzudenken.
PAP/adn