Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, erklärte in sozialen Netzwerken, Russland nehme die Lage „äußerst ernst“. An ausländische Botschaften und internationale Organisationen in Kiew seien offizielle diplomatische Noten verschickt worden. Darin fordere Moskau die Staaten auf, ihr diplomatisches Personal sowie andere Vertreter internationaler Organisationen rechtzeitig aus der ukrainischen Hauptstadt abzuziehen.
„Das russische Außenministerium fordert die Behörden Ihres Landes nachdrücklich auf, die rechtzeitige Evakuierung des diplomatischen Personals aus Kiew sicherzustellen“, sagte Sacharowa. Zur Begründung verwies sie auf einen „unvermeidlichen Vergeltungsschlag“ der russischen Streitkräfte gegen Kiew.
Die scharfen Drohungen stehen im Zusammenhang mit Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj während eines Treffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Selenskyj hatte dort erklärt, Russland könne seine traditionelle Militärparade zum 9. Mai möglicherweise erstmals ohne schweres Militärgerät abhalten. Moskau fürchte offenbar Angriffe ukrainischer Drohnen auf die russische Hauptstadt.
„Zum ersten Mal seit vielen Jahren können sie sich schweres Militärgerät bei der Parade nicht leisten, und sie haben Angst, dass Drohnen über dem Roten Platz summen könnten“, sagte Selenskyj. Dies zeige, dass Russland „nicht mehr so stark“ sei wie früher.
Sacharowa bezeichnete diese Aussagen als „aggressiv und gefährlich“. Vertreter europäischer Staaten hätten bei dem Treffen nicht angemessen auf die Äußerungen des ukrainischen Präsidenten reagiert, kritisierte sie.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor angekündigt, die russischen Streitkräfte würden am 8. und 9. Mai einseitig das Feuer einstellen. Die Waffenruhe solle anlässlich des 81. Jahrestags des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland gelten. In Russland wird der Feiertag traditionell mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz begangen.
Die ukrainische Führung reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag. Selenskyj sprach von einem „unehrlichen“ Ansatz und erklärte, Kiew habe bislang keinen offiziellen Vorschlag Moskaus erhalten. Gleichzeitig kündigte die Ukraine ein eigenes „Regime der Stille“ ab der Nacht zum Mittwoch an. „Von diesem Moment an werden wir symmetrisch reagieren“, sagte Selenskyj.
Das russische Verteidigungsministerium warnte daraufhin, mögliche Störungen der Feierlichkeiten in Moskau würden eine harte militärische Reaktion nach sich ziehen. Russische Medien berichteten von der Möglichkeit eines großangelegten Angriffs auf Kiew, einschließlich des Stadtzentrums.
PAP/IAR/jc