Schröder sei jahrelang Lobbyist russischer Staatskonzerne gewesen. „Es ist klar, warum Putin gerade diese Person möchte“, sagte Kallas. Schröder würde „auf beiden Seiten des Tisches sitzen“.
Putin hatte den früheren SPD-Kanzler nach der Militärparade zum 9. Mai in Moskau selbst ins Gespräch gebracht. „Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen“, sagte der russische Präsident. Zugleich äußerte er erneut die Bereitschaft zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – allerdings nur zu Bedingungen Moskaus.
Aus Berlin kam umgehend Ablehnung. Regierungskreise bezeichneten den Vorschlag als Teil der bekannten russischen Strategie, Europa zu spalten. Solange Russland seine Haltung im Krieg gegen die Ukraine nicht ändere, seien solche Gesprächsangebote nicht glaubwürdig. Ein erster Schritt wäre aus Sicht der Bundesregierung eine Verlängerung der angekündigten Waffenruhe.
Kallas machte außerdem deutlich, dass es innerhalb der Europäischen Union derzeit keinen gemeinsamen Kurs für neue Gespräche mit Moskau gibt. Zunächst müsse sich die EU darüber verständigen, worüber überhaupt verhandelt werden solle.
Schröder selbst äußerte sich bislang nicht. Sein Büro teilte lediglich mit, der Altkanzler wolle den Vorschlag nicht kommentieren.
Der frühere Kanzler steht seit Jahren wegen seiner engen Beziehungen zu Putin in der Kritik. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik arbeitete Schröder unter anderem für die Nord-Stream-Pipeline und den russischen Ölkonzern Rosneft. Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vermied er lange Zeit eine klare Distanzierung vom Kreml.
IAR/jc