Deutsche Redaktion

Vor 100 Jahren: Der Maiputsch spaltete Polen

12.05.2026 09:16
Vor 100 Jahren begann in Polen einer der dramatischsten Machtkämpfe der Zwischenkriegszeit: Am 12. Mai 1926 setzte sich Marschall Józef Piłsudski an die Spitze ihm loyaler Truppen und marschierte auf Warschau. Der sogenannte Maiputsch spaltete das Land und zwang viele Offiziere zu einer Entscheidung zwischen Loyalität zur legalen Regierung und Treue zum populären Militärführer.
Po zamachu majowym w 1926 roku Józef Piłsudski skutecznie przejął realną władzę, choć formalnie nie pełnił funkcji prezydenta
Po zamachu majowym w 1926 roku Józef Piłsudski skutecznie przejął realną władzę, choć formalnie nie pełnił funkcji prezydentaPAP/CAF-reprodukcja

Auslöser der Krise war die Ernennung von Wincenty Witos zum Ministerpräsidenten wenige Tage zuvor. Piłsudski sah in der neuen Regierungskoalition eine Rückkehr jener politischen Kräfte, die aus seiner Sicht für die Instabilität und wirtschaftlichen Probleme der frühen 1920er Jahre verantwortlich waren.

Piłsudski erklärte damals, er kämpfe gegen die „Herrschaft zügelloser Parteien“ und gegen eine Politik, die sich nur an Macht und wirtschaftlichen Interessen orientiere. Historiker gehen davon aus, dass er zunächst vor allem den Rücktritt der Regierung erzwingen wollte. Die Situation eskalierte jedoch rasch.

Am 12. Mai traf Piłsudski auf der Poniatowski-Brücke in Warschau mit Präsident Stanisław Wojciechowski zusammen. Das kurze Gespräch blieb ohne Ergebnis. Noch am selben Abend begannen die ersten Kämpfe in der Hauptstadt.

In den folgenden Tagen lieferten sich regierungstreue Einheiten und Piłsudski-Anhänger schwere Gefechte in Warschau. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Unterstützt wurde Piłsudski unter anderem von linken Parteien sowie von Eisenbahnern, die den Transport regierungstreuer Truppen behinderten.

Nach drei Tagen Kämpfen mit insgesamt 379 Toten und mehr als 900 Verletzten gaben Präsident Wojciechowski und die Regierung auf. In der Nacht zum 15. Mai wurde ein Waffenstillstand vereinbart. Kurz darauf übernahm Piłsudski als Kriegsminister faktisch die politische Kontrolle über das Land.

Ende Mai wählte die Nationalversammlung Piłsudski zwar zum Präsidenten, doch er lehnte das Amt ab und ließ stattdessen Ignacy Mościcki wählen. Der Maiputsch markierte den Beginn des autoritären „Sanacja“-Systems, das die politische Entwicklung Polens bis zum Zweiten Weltkrieg prägte.


PAP/jc

Der Maiputsch von 1926: dringend notwendig oder undemokratisch?

15.05.2025 10:32
Im Frühjahr 1926 befand sich Polen in einer politischen Krise. Der jungen Republik drohte eine Zersplitterung des Parteiensystems. Mehr als 30 Parteien im Sejm erschwerten die Bildung einer stabilen und handlungsfähigen Regierung. In dieser Situation führte Józef Piłsudski einen Putsch durch. Was passierte Mitte Mai 1926? Und war der Aufruf zu dem letztlich gelungenen Umsturz eine richtige Entscheidung?