Deutsche Redaktion

Ana Blandiana mit Zbigniew Herbert Literaturpreis geehrt

28.05.2026 09:16
Die rumänische Dichterin, Essayistin und frühere Dissidentin Ana Blandiana ist in Warschau mit dem Internationalen Literaturpreis Zbigniew-Herbert-Preis ausgezeichnet worden. Die 1942 in Timișoara geborene Autorin nahm die Ehrung am Mittwochabend entgegen und würdigte dabei insbesondere die gemeinsame historische Erfahrung Polens und Rumäniens unter kommunistischen Regimen. „Wenn unsere Nationen alles vergessen haben werden, was sie erlitten haben, wird ihnen die Poesie bleiben“, sagte Blandiana bei der Preisverleihung.
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Bild:Paweł Morawiec, Biblioteka Narodowa

Die Schriftstellerin zog Parallelen zwischen ihrem eigenen Lebensweg und jenem des polnischen Lyrikers Zbigniew Herbert, nach dem der Preis benannt ist. Beide hätten gegen Zensur und politische Unterdrückung kämpfen müssen. „Die ästhetischen Mechanismen des Widerstands waren dieselben, ebenso die Formen der Repression, die uns nicht brechen konnten“, erklärte Blandiana. In Osteuropa habe das Leiden unter diktatorischen Systemen die Verbindung zwischen Kunst, Ethik und Wahrheit besonders geprägt. Freiheit sei dort „nicht das Ergebnis eines Gesetzes, sondern ein Risiko“ gewesen.

Blandiana betonte, dass die Erfahrung politischer Unterdrückung ihre Literatur tief geprägt habe. Das Leiden habe die künstlerische Wahrheit vertieft und Menschen verschiedener Länder miteinander verbunden. „Unsere Lage enthielt Leid, aber keine Gleichgültigkeit“, sagte sie. Gerade aus diesem Leid seien „wunderbare Pflanzen der Kunst“ entstanden. Die Auszeichnung verstehe sie deshalb nicht nur als Anerkennung ihrer literarischen Arbeit, sondern auch als Ausdruck von Solidarität zwischen den Ländern Mittel- und Osteuropas.


Paweł Morawiec, Biblioteka Narodowa Paweł Morawiec, Biblioteka Narodowa

Die Jury bezeichnete Blandiana als eine der bedeutendsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur. Ihre Werke wurden bislang in 26 Sprachen übersetzt und in mehr als hundert Buchausgaben veröffentlicht. Jurymitglied Mercedes Monmany hob hervor, Blandiana sei nicht nur eine herausragende Lyrikerin, sondern auch eine wichtige moralische Autorität Europas. Ihre Bedeutung für Rumänien sei vergleichbar mit jener von Anna Achmatowa für Russland oder Václav Havel für Tschechien.

Auch die polnische Dichterin Krystyna Dąbrowska aus der Jury würdigte Blandianas Werk als „sehr persönliche Poesie“ voller Sensibilität für Natur, Liebe, Verlust und spirituelle Fragen. Besonders ihr jüngster Gedichtzyklus erinnere an die Tradition von Emily Dickinson und der englischen metaphysischen Dichtung.

Ana Blandiana gehörte in Rumänien zu den wichtigsten oppositionellen Stimmen gegen das kommunistische Regime von Nicolae Ceaușescu. Wegen ihrer regimekritischen Haltung erhielt sie mehrfach Publikationsverbot. Nach dem Ende der Diktatur engagierte sie sich aktiv für Demokratie und Menschenrechte. Sie gründete unter anderem eine Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus in Sighet und war Mitbegründerin einer Bürgerbewegung für demokratische Reformen in Rumänien.

Der Internationale Literaturpreis wird seit 2013 von der Zbigniew Herbert Stiftung vergeben. Mit der Auszeichnung werden Autoren geehrt, deren Werk an die Werte anknüpft, die mit Herbert verbunden werden – darunter Freiheit, intellektuelle Unabhängigkeit und moralische Verantwortung.

 

IAR/jc

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