Der Vorsitzende der Deutsch-Russischen Handelskammer, Matthias Schepp, sagte der Deutschen Presse-Agentur, man wolle wirtschaftliche Brücken nach Russland erhalten und deutsche Investitionen im Land schützen. Dabei gehe es auch um die Zeit nach einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine.
Schepp warnte davor, Russland dauerhaft wirtschaftlich Asien zu überlassen. Als Beispiel verwies er auf den wachsenden Einfluss Chinas. Allein im ersten Quartal dieses Jahres seien dort nach seinen Angaben rund 1.400 neue chinesische Unternehmen in Russland gegründet worden.
Nach Angaben der Deutsch-Russischen Handelskammer sind weiterhin rund 1.600 deutsche Unternehmen in Russland aktiv. Ihr Gesamtumsatz habe im vergangenen Jahr etwa 20 Milliarden Euro betragen. Gleichzeitig ist das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland infolge der westlichen Sanktionen stark zurückgegangen. Lag es 2021 noch bei knapp 60 Milliarden Euro, fiel es 2025 auf weniger als zehn Milliarden Euro.
Eine aktuelle Umfrage der Kammer unter 265 Unternehmen zeigt, dass die große Mehrheit der Firmen am russischen Markt festhalten will. Rund drei Viertel der Befragten bewerten ihre Geschäftsentwicklung trotz der Sanktionen positiv. Zwei Drittel sind zugleich der Ansicht, dass die Sanktionen die russische Wirtschaft deutlich belasten.
Bei der Frage nach künftigen Energieimporten aus Russland sprachen sich 65 Prozent der befragten Unternehmen dafür aus, möglichst bald wieder russisches Gas und Öl zu beziehen. Weitere 31 Prozent befürworteten eine Wiederaufnahme der Importe nach einem Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine.
DW/PAP/jc