Brzechwa, mit bürgerlichem Namen Jan Wiktor Lesman, war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Jurist und Mitbegründer des polnischen Urheberrechts. Zunächst machte er sich als Satiriker und Kabarettautor einen Namen. Erst mit etwa 40 Jahren begann er, für Kinder zu schreiben – obwohl er sich selbst lieber als Lyriker für Erwachsene verstanden hätte.
Viele seiner bekanntesten Gedichte, darunter „Die tanzende Nadel”, „Die Angeberin” oder „Der neugierige Staś”, entstanden ursprünglich aus dem Wunsch, eine Kindergärtnerin zu beeindrucken. Ausgerechnet diese Texte machten ihn später zu einem der populärsten Kinderbuchautoren des Landes.
Brzechwa wurde 1898 im heutigen ukrainischen Schmerinka geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er als erfolgreicher Anwalt und spezialisierte sich auf Urheberrecht. Gleichzeitig veröffentlichte er Gedichte, Satiren und Theatertexte. Während des Zweiten Weltkriegs schrieb er unter anderem die „Akademie des Herrn Klecks”, die bis heute zu den Klassikern der polnischen Kinderliteratur zählt.
Seine Biografie bleibt jedoch widersprüchlich. Vor dem Krieg verherrlichte Brzechwa Józef Piłsudski, nach 1945 bekannte er sich öffentlich zur kommunistischen Volksrepublik und veröffentlichte regimefreundliche Texte. Literaturhistoriker sehen darin einen Ausdruck seines Pragmatismus, verweisen aber zugleich darauf, dass er sich persönlichen Diffamierungskampagnen gegen andere Schriftsteller verweigerte.
Neben seiner eigenen Literatur übersetzte Brzechwa zahlreiche Werke russischer Autoren, darunter Alexander Puschkin, Anton Tschechow und Sergej Jessenin. Literaturwissenschaftler würdigen ihn vor allem als Erneuerer der polnischen Kinderlyrik, die er mit Wortwitz, Fantasie und satirischen Elementen prägte.
Jan Brzechwa starb am 2. Juli 1966 im Alter von 67 Jahren und wurde auf dem Powązki-Friedhof in Warschau beigesetzt. Seine Bücher gehören bis heute zum festen Kanon der polnischen Kinderliteratur.
IAR/jc