Deutsche Redaktion

Russische Desinformation vergiftet KI-Systeme

06.07.2026 08:40
Russland überschwemmt das Internet gezielt mit Propaganda, um Systeme der Künstlichen Intelligenz zu beeinflussen. Davor warnt ein polnischer Regierungsbeauftragter für die Bekämpfung von Desinformation.
Moskau setze Knstliche Intelligenz zunehmend ein, um im Rahmen seiner umfassenderen Aggression gegen den Westen Falschinformationen zu erzeugen und zu verbreiten. Die Technologie hat sich weiterentwickelt. Desinformation lsst sich heute deutlich leichter produzieren, und Russland nutzt das gezielt, sagt ein Experte dem Polnischen Rundfunk.
Moskau setze Künstliche Intelligenz zunehmend ein, um im Rahmen seiner umfassenderen Aggression gegen den Westen Falschinformationen zu erzeugen und zu verbreiten. „Die Technologie hat sich weiterentwickelt. Desinformation lässt sich heute deutlich leichter produzieren, und Russland nutzt das gezielt“, sagt ein Experte dem Polnischen Rundfunk.mat.promocyjne

Der Sonderbeauftragte des polnischen Außenministeriums für die Bekämpfung von Desinformation, Tomasz Chłoń, erklärte im Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Polnischen Rundfunk in Brüssel, Moskau setze Künstliche Intelligenz zunehmend ein, um im Rahmen seiner umfassenderen Aggression gegen den Westen Falschinformationen zu erzeugen und zu verbreiten. „Die Technologie hat sich weiterentwickelt. Desinformation lässt sich heute deutlich leichter produzieren, und Russland nutzt das gezielt“, sagte Chłoń.

Der Kreml gehe dabei nach einem bekannten Muster vor. Falsche Narrative würden zunächst über unbedeutende Informationskanäle verbreitet. Anschließend würden sie gezielt verstärkt, bis sie Eingang in die öffentliche Debatte fänden, sagte der Diplomat, der unter anderem an der polnischen NATO-Vertretung sowie als Botschafter in Estland und der Slowakei tätig war.

Pro-russische Narrative

Chłoń warnte zudem vor einer neuen Gefahr: Russland versuche zunehmend, große Sprachmodelle zu beeinflussen – also die Systeme hinter Chatbots und anderen Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. „Wenn wir heute eine Suchanfrage stellen oder etwa ChatGPT etwas fragen, erhalten wir immer häufiger Antworten, die Russland gegenüber weniger kritisch sind“, so der Experte. Der Grund sei, dass KI-Systeme auf Online-Quellen zurückgriffen, die zunehmend mit pro-russischen Narrativen und Falschinformationen durchtränkt seien. „Das ist sehr gefährlich“, warnte er.

Nach den Worten Chłońs gehöre Polen wegen seiner entschiedenen Unterstützung für die Ukraine und seiner Lage an der NATO-Ostflanke zu den wichtigsten Zielen des Kremls. Polen ist seit 1999 Mitglied der NATO. Ein großer Teil der gegen Polen gerichteten russischen Desinformation betreffe die Ukraine. Chłoń verwies auf Umfragen, wonach die Unterstützung für die Ukraine und die Ukrainer in Polen seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 von rund 50 Prozent auf weniger als 30 Prozent in diesem Jahr gesunken sei.

Desinformation wirke, weil sie gezielt auf Ängste, Ressentiments und Emotionen abziele, sagte Chłoń. Ihr Ziel sei es, die Gesellschaft zu spalten und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Dadurch werde es schwieriger, Fakten zu vermitteln, die nicht in das russische Narrativ passten – etwa den Beitrag ukrainischer Arbeitskräfte und Unternehmen zur polnischen Wirtschaft. „Es fällt uns schwer, mit positiven Informationen durchzudringen – etwa damit, dass ukrainische Unternehmen und Arbeitnehmer viermal mehr zum polnischen Staatshaushalt beitragen, als sie an Unterstützung erhalten, dass viele Wirtschaftszweige ohne Arbeitskräfte aus der Ukraine nicht funktionieren würden und dass zehn Prozent aller neu gegründeten Unternehmen in Polen von Ukrainern gegründet werden“, so der Beamte.

„Desinformation ist kostengünstiger als physischer Krieg"

Chłoń bezeichnete Desinformation als eine billige und zugleich wirksame Waffe in Russlands hybrider Kriegsführung. Diese verbinde konventionäre militärische Mittel mit Cyberangriffen, Sabotage, Propaganda und politischem Druck. „Desinformation ist deutlich kostengünstiger als andere Formen hybrider Aggression, ganz zu schweigen von physischen Angriffen auf kritische Infrastruktur, die erhebliche Mittel erfordern und zudem wirkungslos bleiben können“, sagte er. „Im digitalen Raum lässt sich Desinformation zudem leicht verschleiern, was ihre Bekämpfung erschwert.“

Trotz der EU-Vorschriften für digitale Plattformen würden Falschinformationen nach wie vor nicht wirksam entfernt, fügte Chłoń hinzu. „Die Plattformen reagieren nur auf zwölf Prozent der gemeldeten Verstöße“, sagte er. „Schon das Melden von Verstößen gegen die Plattformregeln ist äußerst kompliziert.“ Litauische Experten hätten berechnet, dass die Erstellung einer vollständigen Meldung an Facebook über Regelverstöße bestimmter Internetseiten bis zu 3.000 Arbeitsstunden in Anspruch nehmen könne.

Chłoń erklärte zudem, die EU-Mitgliedstaaten investierten zwar erhebliche Summen in die Aufrüstung, gäben jedoch weiterhin zu wenig Geld für den Kampf gegen Desinformation aus. Dieses Ungleichgewicht müsse korrigiert werden. Diskutiert werde in der EU unter anderem eine stärkere Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Desinformation aufspüren und offenlegen. Zudem könnten Einnahmen aus Geldbußen gegen große Online-Plattformen, die gegen EU-Recht verstoßen, für den Kampf gegen feindliche Desinformationskampagnen eingesetzt werden, überzeugte der Sonderbeauftragte.

IAR/DGP/ps

Russische Propaganda: Medienexperten warnen vor Spaltung Polens und Deutschlands

01.06.2026 11:58
Der Korrespondent des Polnischen Rundfunks in Berlin, Adam Górczewski, stellte in Göttingen das im Mai gestartete Projekt „Sprawdzam to“ vor.

Sikorski: Russland führt gegen den Westen einen umfassenden kognitiven Krieg

08.06.2026 11:45
Außenminister Radosław Sikorski hat Russland vorgeworfen, nicht nur Desinformation zu verbreiten, sondern einen „umfassenden kognitiven Krieg“ gegen den Westen zu führen. Aus Sicht des Kremls handle es sich um einen Angriff auf die westlichen Bündnisse und die Grundlagen des Erfolgs Polens sowie der gesamten Region, sagte Sikorski am Montag auf einer Konferenz im polnischen Parlament.

Regierung warnt vor Desinformation gegen SAFE

11.06.2026 11:30
Im Zentrum stehen zwei Falschbehauptungen: SAFE „entwaffne“ die polnische Armee, und mit dem Programm gekaufte Ausrüstung solle an die Ukraine gehen. Der Cybersicherheitsexperte Piotr Łuczuk hält es für möglich, dass die Kampagnen aus dem Osten inspiriert oder gesteuert werden. 

Regierung warnt vor russischer Einflussnahme auf KI-Systeme

01.07.2026 09:51
Russland versucht zunehmend, Künstliche Intelligenz durch gezielt verbreitete Desinformation zu beeinflussen. Moskau flute das Internet mit Propaganda, um Sprachmodelle und Chatbots mit prorussischen Inhalten zu speisen, sagte der Sonderbeauftragte des Außenministeriums für die Bekämpfung von Desinformation, Tomasz Chłoń, dem Polnischen Rundfunk.