Deutsche Redaktion

"Gefälschte Archivmaterialien". Ukrainische Behörden warnen vor massiver russischer Desinformationskampagne zu Wolhynien

06.07.2026 11:57
Ukrainische Stellen werfen Russland vor, mit gefälschten Wolhynien-Dokumenten gezielt Misstrauen zwischen Polen und der Ukraine zu schüren.
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Bild:Foto: casimiro PT/Shutterstock

Kiew/Warschau - Ukrainische Stellen warnen vor einer russischen Desinformationsoperation, die das Verhältnis zwischen Polen und der Ukraine schwächen soll. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB habe eine aktive Phase einer Kampagne begonnen, berichtete das ukrainische Portal „Ukrainska Prawda“. Verbreitet würden angebliche Archivunterlagen zu den Ereignissen in Wolhynien während des Zweiten Weltkriegs.

Nach ukrainischer Darstellung geht es Moskau um die gezielte Instrumentalisierung eines realen und schmerzhaften Streitthemas. „Russische Propaganda bedient sich bewusst manipulativer Terminologie, um in der polnischen Gesellschaft eine starke emotionale Reaktion auszulösen“, schrieb „Ukrainska Prawda“. Bereits zuvor hatte Andrij Kowalenko, Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, vor gefälschten Dokumenten gewarnt, die von russischen Staatsmedien verbreitet werden sollten.

Am Freitag hatten Polens Außenminister Radosław Sikorski und sein ukrainischer Amtskollege Andrij Sybiha in Warschau über die bilateralen Beziehungen gesprochen. Ministerpräsident Donald Tusk sagte am Samstag, Polen erwarte nach Selenskyjs „unglückseliger Entscheidung“ einen ersten Schritt von ukrainischer Seite. Zugleich verwies er auf Appelle ukrainischer Politiker, gemeinsam an der Vergangenheit zu arbeiten, damit „die Vergangenheit nicht über die Zukunft herrscht“.

Der Hintergrund ist ein zuletzt verschärfter Streit zwischen Warschau und Kiew über historische Erinnerung. Ende Mai benannte Präsident Wolodymyr Selenskyj eine ukrainische Militäreinheit nach den „Helden der UPA“. Die Entscheidung wurde in Polen scharf kritisiert. Präsident Karol Nawrocki teilte am 19. Juni mit, Selenskyj den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen; Selenskyj sandte die Auszeichnung am nächsten Tag nach Warschau zurück.

Die Wolhynien-Frage gehört zu den heikelsten Themen in den polnisch-ukrainischen Beziehungen. Polnische Historiker sprechen mit Blick auf die Gewalt ukrainischer Nationalisten gegen polnische Bewohner Wolhyniens 1943 von Völkermord. Viele ukrainische Historiker und Politiker deuten die Ereignisse dagegen als Teil eines breiteren polnisch-ukrainischen Konflikts, in dem beide Seiten Verantwortung trugen. In der ukrainischen Erinnerung werden die Organisation Ukrainischer Nationalisten und die ihr unterstellte UPA zugleich häufig als Symbole des Unabhängigkeitskampfs und des Widerstands gegen die Sowjetunion gesehen.

PAP/adn

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