Die Wissenschaftler untersuchen das Gelände seit drei Wochen. Bereits vor zwei Jahren waren unter dem Fußboden des Gebäudes die Skelette von sechs Menschen entdeckt worden. Damals blieb ungeklärt, wer die Toten waren und weshalb sie dort bestattet wurden.
Bei den aktuellen Ausgrabungen fanden die Archäologen fünf weitere Gräber sowie zwei Ansammlungen menschlicher Knochen. Eines der Skelette liegt unmittelbar unter dem Fundament des Gebäudes. Dies belege eindeutig, dass das Haus erst nach der Anlage des Friedhofs errichtet wurde, erklärte der Archäologe Jakub Niebylski.
Nach Angaben der Forscher wurden bei den Bauarbeiten zudem menschliche Überreste ausgehoben und in einen Graben geworfen. Dies spreche dafür, dass den Bauarbeitern bewusst gewesen sei, auf einem Friedhof zu arbeiten. Einige Schädel weisen außerdem Brandspuren auf. Das Alter des Friedhofs ist bislang unbekannt.
Warum auf eine Umbettung der Toten verzichtet wurde, ist bislang unklar. Die Archäologen vermuten, dass die Bauarbeiten unter erheblichem Zeitdruck standen und die menschlichen Überreste deshalb nicht umgebettet wurden. Nach ihren Angaben wurde Görings Wohnhaus erst in einer späten Phase des Krieges errichtet, als die militärische Lage des Deutschen Reiches bereits deutlich schlechter war und die Wolfsschanze nur noch eingeschränkt genutzt wurde. Ob der Zeitdruck tatsächlich der Grund für den Verzicht auf eine Umbettung war, sollen weitere Untersuchungen klären.
Die Wolfsschanze in Masuren war während des Zweiten Weltkriegs das wichtigste Führerhauptquartier Adolf Hitlers. Von dort aus leitete Hitler mehr als 800 Tage lang den Krieg gegen die Sowjetunion. Am 20. Juli 1944 verübte Claus Schenk Graf von Stauffenberg dort das gescheiterte Attentat auf Hitler.
IAR/PAP/jc