Giedroyc wurde am 27. Juli 1906 im damaligen Minsk geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg zog seine Familie nach Warschau. Während des polnisch-sowjetischen Krieges engagierte er sich als Jugendlicher für Polen und studierte später Jura. Bereits in den 1930er Jahren beschäftigte er sich intensiv mit den politischen Entwicklungen in Osteuropa, insbesondere in der Ukraine und Russland.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs diente Giedroyc in der polnischen Armee im Nahen Osten und nahm unter anderem an der Verteidigung von Tobruk teil. 1946 gründete er gemeinsam mit Józef Czapski und anderen Emigranten in Rom das Literarische Institut, das bereits ein Jahr später nach Maisons-Laffitte bei Paris verlegt wurde. Dort entstand die Exilzeitschrift Kultura, die zu einem der wichtigsten Foren des unabhängigen politischen und intellektuellen Denkens der polnischen Emigration wurde. Historiker bezeichnen das Redaktionshaus in Maisons-Laffitte als die „inoffizielle Botschaft eines freien Polen“.
Giedroyc legte großen Wert auf historische Wahrheit und journalistische Glaubwürdigkeit. Ziel seiner Publikationen sei es gewesen, der Gesellschaft „verlässliches und überprüftes Wissen“ zu vermitteln, sagte er 1992 in einem Interview mit dem Polnischen Rundfunk.
Wegen seiner politischen Haltung war das von ihm geleitete Institut während der kommunistischen Herrschaft in Polen Ziel staatlicher Propaganda. Die Behörden stellten das Zentrum als angebliche amerikanische Agentur dar, verhängten ein vollständiges Publikationsverbot gegen Giedroyc und unterwarfen sämtliche Informationen über ihn der Zensur.
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Politisch prägte Giedroyc das sogenannte ULB-Konzept, das für Ukraine, Litauen und Belarus steht. Es beruhte auf der Anerkennung ihrer Souveränität sowie auf der Überzeugung, dass Polen nur durch eine Aussöhnung und enge Zusammenarbeit mit seinen östlichen Nachbarn dauerhaft Sicherheit und Stabilität erreichen könne. Er unterstützte zudem früh die deutsche Wiedervereinigung und sprach sich für gute Beziehungen sowohl zu Deutschland als auch zu Russland aus.
Während der Zeit der Volksrepublik Polen unterstützte Giedroyc demokratische und freiheitliche Bestrebungen. Er sprach sich für die Bildung einer organisierten Opposition aus und unterstützte die Streikbewegung vom August 1980. Nach dem politischen Umbruch von 1989 kehrte er nicht nach Polen zurück und äußerte sich weiterhin kritisch zur Entwicklung des Landes.
Bis zu seinem Tod im Jahr 2000 leitete Giedroyc das Literarische Institut und die Zeitschrift Kultura. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde das Erscheinen der Zeitschrift nach seinem Tod eingestellt. Die letzte Ausgabe erschien im Oktober 2000.
IAR/jc