Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

Kunsthistoriker kritisiert Abriss von Denkmälern aus der kommunistischen Zeit

04.08.2026 12:00
Der Abriss von Denkmälern aus der Zeit der Volksrepublik Polen führt zum Verlust eines Teils der polnischen Geschichte. Diese Meinung vertritt der Kunsthistoriker Szymon Piotr Kubiak. Anlass seiner Kritik ist die Demontage eines Denkmals in Pyrzyce (Pyritz), das an die Einnahme der Stadt durch die Rote Armee erinnerte.
Das Denkmal der Dankbarkeit an die Rote Armee von Xawery Dunikowski in Olsztyn wurde 1954 errichtet und sorgt seit Jahren fr Emotionen.
Das "Denkmal der Dankbarkeit an die Rote Armee" von Xawery Dunikowski in Olsztyn wurde 1954 errichtet und sorgt seit Jahren für Emotionen.shutterstock/Shevchenko Andrey

Das 1984 errichtete Monument des Stettiner Bildhauers Sławomir Lewiński wurde am vergangenen Freitag mit schwerem Abbruchgerät zerstört. Im Mittelpunkt der Skulptur stand der Kopf eines sowjetischen Soldaten aus rostfreiem Stahl.

Kubiak bezeichnete Lewiński als einen der bedeutendsten Künstler Stettins. Seine Werke seien „handwerklich von hoher Qualität“, sagte der Kunsthistoriker der Nachrichtenagentur PAP. Zwar habe der Bildhauer zahlreiche staatliche Aufträge während der kommunistischen Zeit ausgeführt, doch dürften diese Werke nicht ausschließlich unter politischen Gesichtspunkten betrachtet werden. „Indem wir diese Kunstwerke zerstören, löschen wir auch einen Teil der polnischen Geschichte aus“, betonte Kubiak.

Lewiński kam 1946 nach Stettin und prägte über Jahrzehnte das Stadtbild. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Denkmäler, Skulpturen und Mosaike im öffentlichen Raum, darunter das Adam-Mickiewicz-Denkmal in Stettin sowie zahlreiche Arbeiten auf den Oder-Boulevards.

Kubiak verwies darauf, dass Kunstwerke aus der Nachkriegszeit zunehmend aus dem öffentlichen Raum verschwänden, während gleichzeitig das Interesse an der Vorkriegsarchitektur wachse. Dadurch gerate die Geschichte der ersten Nachkriegsjahrzehnte in Vergessenheit.

Der Kunsthistoriker sprach sich dafür aus, Denkmäler aus der kommunistischen Epoche nicht zu zerstören, sondern in Museen oder sogenannten Lapidarien auszustellen und historisch einzuordnen. Als Vorbild nannte er die Ausstellung „Enthüllt. Berliner Denkmäler“ auf der Zitadelle Spandau, in der Monumente aus preußischer, nationalsozialistischer und kommunistischer Zeit mit ausführlichen historischen Erläuterungen präsentiert werden.

Seit 2022 wurden in Polen nach Angaben des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) fast 50 Denkmäler entfernt, die als Symbole der Roten Armee oder der kommunistischen Herrschaft gelten. Grundlage ist ein Gesetz aus dem Jahr 2016, das die Verherrlichung des Kommunismus im öffentlichen Raum verbietet. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte das IPN den Abbau solcher Denkmäler zusätzlich beschleunigt.


PAP/jc