Lepper war am 5. August 2011 tot im Warschauer Parteisitz aufgefunden worden. Er hing nach Angaben der Ermittler in einem Badezimmer an einer Schlinge aus Bindegarn. Abschiedsbrief oder Spuren eines Kampfes wurden nicht gefunden. Die Obduktion ergab nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Verletzungen, die auf Fremdeinwirkung hingedeutet hätten. Als mögliches Motiv nannten die Ermittler finanzielle Probleme.
Dennoch kehren Zweifel regelmäßig in die öffentliche Debatte zurück. So behauptete PiS-Chef Jarosław Kaczyński im Herbst 2025, Lepper habe sich „nicht das Leben genommen“. Er vermutete, der frühere Vizepremier könne Opfer eines Mordes aus dem eigenen politischen Umfeld geworden sein. Hintergrund seien angeblich Informationen gewesen, die Lepper über die Regierungszeit der PiS zwischen 2005 und 2007 habe veröffentlichen wollen. Beweise für diese These wurden bislang nicht vorgelegt.
Auch der frühere Ministerpräsident Leszek Miller schilderte Anfang 2025 seine letzte Begegnung mit Lepper. Der damalige Samoobrona-Chef habe sich rund einen Monat vor seinem Tod „in einem schlechten psychischen Zustand“ befunden, berichtete Miller.
„Versailles ist zu Ende“
Andrzej Lepper gehörte über Jahre zu den schillerndsten und zugleich umstrittensten Figuren der polnischen Politik. Bekannt wurde er Anfang der 1990er Jahre als Anführer radikaler Bauernproteste gegen die Folgen der wirtschaftlichen Transformation. Mit Straßenblockaden und spektakulären Aktionen machte er landesweit auf sich aufmerksam. Sein Leitspruch „Balcerowicz muss weg“ wurde zum Symbol seines Protestkurses.
2001 zog seine Partei Samoobrona mit mehr als zehn Prozent der Stimmen erstmals in den Sejm ein. Im Parlament sorgte Lepper mit seinem Satz „Versailles ist zu Ende“ für Aufsehen. Wenig später wurde er als Vizeparlamentspräsident wieder abgewählt, nachdem er führende Politiker öffentlich der Korruption beschuldigt hatte. Für diese unbelegten Vorwürfe wurde er später rechtskräftig verurteilt.
Nach den Wahlen 2005 wurde Lepper zunächst erneut Vizepräsident des Parlaments und später Vizepremier sowie Landwirtschaftsminister in der Koalitionsregierung von Jarosław Kaczyński. Seine Regierungszeit war jedoch von Konflikten und Skandalen geprägt. Nach dem Bruch der Koalition verlor Samoobrona bei der vorgezogenen Parlamentswahl 2007 den Einzug in den Sejm. Lepper gelang danach keine politische Rückkehr mehr.
PAP/jc