Jędrusik starb am 7. August 1991 im Alter von 60 Jahren. „Als ein bunter Vogel, dem der kommunistische Käfig die Flügel gebrochen hat“, beschrieb sie die Sängerin Urszula Sipińska später. Die Schauspielerin selbst sagte einmal: „Wenn ein bunter Vogel aus dem Käfig fliegt, wird er sofort von den grauen Vögeln zerpickt.“
Geboren wurde Kalina Jędrusik Anfang der 1930er Jahre in Gnaszyn bei Częstochowa. Nach ihrem Schauspielstudium begann sie ihre Karriere am Theater Wybrzeże in Danzig, wo sie den Schriftsteller Stanisław Dygat kennenlernte. Beide heirateten später und galten über Jahre als eines der bekanntesten Künstlerpaare Polens.
Den Durchbruch schaffte Jędrusik auf den Warschauer Theaterbühnen und vor allem im legendären „Kabarett der älteren Herren“ („Kabaret Starszych Panów“). Mit Liedern wie „Bo we mnie jest seks“ wurde sie landesweit bekannt. Regisseur Kazimierz Kutz bezeichnete sie rückblickend als „die am besten geschriebene Figur Stanisław Dygats“ und erinnerte sich an ihre außergewöhnliche Ausstrahlung.
Gleichzeitig polarisierte Jędrusik wie kaum eine andere Künstlerin ihrer Zeit. Ihr freizügiger Kleidungsstil, ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre offene Art sorgten im konservativen Klima der Volksrepublik Polen immer wieder für Kontroversen. Nach einem Fernsehauftritt mit einem Kreuz im tiefen Dekolleté wurde sie nach Angaben des Schriftstellers Jeremi Przybora über Jahre weitgehend aus dem Fernsehen verbannt. Jędrusik selbst war überzeugt, dass sie das in den staatlichen Medien propagierte Frauenbild bewusst durchbrach und deshalb beruflich ausgebremst wurde.
Immer wieder beklagte die Schauspielerin, das Publikum verwechsle ihre Rollen mit ihrer Persönlichkeit. „Man sagte: Sie ist verdorben“, erinnerte sie sich später. Tatsächlich habe sie lediglich Figuren gespielt, die provozierten oder gesellschaftliche Konventionen infrage stellten.
Ihre letzte Filmrolle übernahm Jędrusik in Krzysztof Kieślowskis Film „Das doppelte Leben der Veronika“. Sie starb am 7. August 1991 und wurde auf dem Powązki-Friedhof in Warschau in der Allee der Verdienten beigesetzt.
PAP/IAR/jc