Der ehemalige Informatikstudent Nchama war demnach Ende 2025 nach Russland gereist, nachdem ihm ein Kameruner namens Fabrice eine militärische Ausbildung und anschließend eine Tätigkeit als persönlicher Leibwächter in Aussicht gestellt hatte. Bei seiner Ankunft seien ihm und anderen afrikanischen Rekruten Dokumente auf Russisch zur Unterschrift vorgelegt worden.
Als Nchama versucht habe, die Dokumente mit seinem Mobiltelefon zu übersetzen, habe ein russischer Soldat demonstrativ eine Waffe auf den Tisch gelegt. „Das war eine Drohung. Wir mussten unterschreiben“, sagte der 22-Jährige AFP zufolge.
Anschließend seien den Rekruten die Pässe abgenommen und nicht zurückgegeben worden. Nach rund zwei Wochen Grundausbildung sei die Gruppe entgegen der ursprünglichen Zusage von acht Monaten Ausbildung in die Ukraine verlegt worden. Unter den Rekruten seien neben Kolumbianern zahlreiche Afrikaner gewesen, darunter Männer aus Kamerun, Nigeria und Libyen.
Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden bislang rund 1800 Afrikaner für die russischen Streitkräfte angeworben. Die investigative Gruppe All Eyes on Wagner veröffentlichte im Februar die Namen von 1417 Afrikanern, die zwischen Januar 2023 und September 2025 von Russland für den Krieg in der Ukraine rekrutiert worden sein sollen. Mehr als 300 von ihnen seien getötet worden. Die meisten stammten aus Ägypten, Kamerun und Ghana.
Nchama schilderte gegenüber AFP auch seine Erlebnisse an der Front. Nachdem eine Rakete ihr Fahrzeug getroffen und zwei seiner Kameraden getötet habe, sei ihm klar geworden, dass er tatsächlich im Kriegseinsatz sei.
Zunächst sei er einem Bataillon mit 424 Soldaten im ostukrainischen Gebiet Donezk zugeteilt worden. Innerhalb von zwei Wochen seien alle anderen Soldaten getötet worden, berichtet Nchama. Er sei der einzige Überlebende seiner Einheit gewesen.
Später sei er einem weiteren Bataillon bei Wolnowacha im Gebiet Donezk zugeteilt worden. Einen Monat und neun Tage lang habe er die Einheit angeführt. „Unsere Aufgabe war es, sechs ukrainische Dörfer einzunehmen“, sagte er. Von ursprünglich 566 Rekruten seien am Ende nur drei übrig gewesen.
Auch die Versorgung sei katastrophal gewesen. Neun Tage lang habe seine Einheit überhaupt kein Essen erhalten. „Wir haben ein Reh gejagt und es roh gegessen, so hungrig waren wir“, sagte Nchama.
Zudem habe ständig die Angst vor Bestrafung geherrscht. „Wenn sie dir sagten: Mach das, und du hast es nicht gemacht, konnten sie jemanden schicken, um dich zu töten“, sagte er.
Im März informierte Nchama seine Eltern über seine Lage. Der Fall löste dort landesweit Aufsehen aus. Die Regierung kündigte diplomatische Schritte an, um die Freilassung des jungen Mannes zu erreichen.
Nach weiteren elf Tagen an der Front, während derer die ukrainischen Drohnenangriffe nicht nachließen, durfte Nchama die Ukraine verlassen und nach Russland zurückkehren. Dort hätten ihm seine Vorgesetzten die russische Staatsbürgerschaft und einen dauerhaften Dienst in der Armee angeboten. „Sie versprachen mir ein Haus, ein Auto“, sagte er. Er zeigte dabei drei Orden, die ihm verliehen worden seien.
Für seine Flucht habe er seine Vorgesetzten getäuscht. „Ich sagte, ich würde das Wochenende bei einem Freund verbringen. Ich erfand sogar einen Namen“, berichtete Nchama. Stattdessen habe ihn der Botschafter von Äquatorialguinea abgeholt und bei sich aufgenommen. Einige Tage später konnte Nchama Russland mit einer Ausreisegenehmigung verlassen und in sein Heimatland zurückkehren.
Sein Vater warnt angesichts der Erfahrungen seines Sohnes andere junge Afrikaner und deren Familien vor dubiosen Anwerbern. „Diese Versprechen bedeuten den sicheren Tod“.
Quelle: AFP/Polskie Radio