Nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB soll Pirogow Polen Informationen über moderne russische Waffensysteme und Raketen geliefert haben. Zusätzlich zur Haftstrafe wurde er zu einer Geldstrafe von 800.000 Rubel (rund 8.600 Euro) verurteilt.
Kontakt zum polnischen Geheimdienst
Nach Darstellung des FSB verließ Pirogow Russland nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Im April 2022 habe er sich in Polen aufgehalten und dort Kontakt zum polnischen Militärgeheimdienst aufgenommen. Anschließend habe er im Auftrag des Dienstes Informationen über fortschrittliche russische Waffen- und Raketensysteme gesammelt, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt würden.
Das unabhängige russische Portal Meduza berichtete dagegen bereits im Juli, Pirogow sei 2022 zunächst nach Georgien gegangen und habe dort als Industriekletterer gearbeitet. Im Juli 2024 sei der Kontakt zu ihm abgebrochen, nachdem er zu einem Arbeitseinsatz in die usbekische Stadt Kungrad gereist sei.
Angehörige sprechen von Entführung
Später habe sich herausgestellt, dass Pirogow im Moskauer Untersuchungsgefängnis Matrosskaja Tischina festgehalten wurde. Wie er nach Russland gelangte, ist unklar. Angehörige hätten gegenüber der russischen Initiative Politzek-Info erklärt, der Mann sei entführt worden. Nach ihren Angaben habe Pirogow nach seinem Aufenthalt in Usbekistan eigentlich nach Georgien zurückkehren wollen.
Meduza verwies auf weitere Fälle von in Drittstaaten verschwundenen russischen Aktivisten. Unter anderem sei 2023 der linke Aktivist Lew Skorjakin verschwunden und später in Moskau wegen Rowdytums inhaftiert worden. Er konnte Russland anschließend verlassen und erhielt Asyl in Deutschland. Im selben Jahr verschwand in Georgien der Oppositionelle Rafail Schepelew. Er wurde später in einem Untersuchungsgefängnis gefunden und anschließend als nicht zurechnungsfähig eingestuft und zwangsweise behandelt.
Immer mehr Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine verhängen russische Gerichte zunehmend Urteile, ohne Einzelheiten der Fälle öffentlich zu machen. Die entsprechenden Verfahren finden häufig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Unterdessen teilte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk am Donnerstag mit, polnische Sicherheitsbehörden hätten einen russischen Staatsbürger festgenommen. Er soll nach Angaben Tusks im Auftrag russischer Geheimdienste einen Mord an einem US-amerikanischen und ukrainischen Staatsbürger vorbereitet haben, der für das Regime von Präsident Wladimir Putin ein politisches Problem dargestellt habe.
IAR/jc