„Jan Frycz war ein äußerst wichtiges Mitglied unseres Ensembles – nicht nur ein großer Künstler, sondern auch ein Freund und für viele von uns ein Mentor“, hieß es in einer Mitteilung des Theaters. Man werde vor allem seine Ausstrahlung, seinen Humor und die langen Gespräche vermissen.
Frycz wurde am 15. Mai 1954 in Krakau geboren. 1978 schloss er sein Schauspielstudium an der Staatlichen Hochschule für Theater in Krakau ab und gab im selben Jahr sein Bühnendebüt. Über Jahrzehnte arbeitete er an bedeutenden polnischen Theatern, darunter am Stary Teatr in Krakau und am Nationaltheater in Warschau.
Besonders eng war seine Zusammenarbeit mit dem renommierten Regisseur Krystian Lupa. In dessen Inszenierungen spielte Frycz unter anderem Iwan in Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“, Esch in Hermann Brochs „Die Schlafwandler“ und Pontius Pilatus in Bulgakows „Der Meister und Margarita“. Frycz wurde zu einem der prägenden Schauspieler in Lupas Theaterwelt.
Auch im polnischen Kino und Fernsehen hinterließ Frycz bleibende Spuren. Zu seinen bekannten Rollen gehörten Auftritte in „Abschied vom Herbst“, „Das sanfte Gesetz“, „Pestka“, „Pręgi“ und „Różyczka“. In den vergangenen Jahren war er unter anderem in der Serie „Blinded by the Lights“ und im Film „25 Jahre Unschuld. Der Fall Tomek Komenda“ zu sehen.
Für seine schauspielerische Arbeit erhielt Frycz zahlreiche Auszeichnungen. 2003 wurde er beim Polnischen Filmfestival in Gdynia als bester Nebendarsteller für „Pornografia“ ausgezeichnet. Zudem erhielt er drei polnische Filmpreise „Orły“. 2005 wurde er mit dem Offizierskreuz des Ordens der Wiedergeburt Polens ausgezeichnet, 2005 und 2015 erhielt er die Medaille „Gloria Artis“ in Silber beziehungsweise Gold.
Trotz einer schweren Erkrankung blieb Frycz bis zuletzt beruflich aktiv. In der vergangenen Spielzeit spielte er König Stanisław August Poniatowski in Jan Klatás Inszenierung „Polnische Thermopylen“ am Nationaltheater in Warschau. Erst in der vergangenen Woche hatte er mit den Proben für „Die Orestie“ unter der Regie von Luk Perceval begonnen.
Frycz hatte in einem früheren Interview sein Lebensmotto mit den Worten beschrieben, im Hier und Jetzt zu leben und jeden Augenblick zu genießen. Seine letzte Arbeit konnte er nicht mehr vollenden.
IAR/PAP/jc