Warschau verstärkt nach wiederholten Zwischenfällen mit russischen Militärflugzeugen den Schutz seines Luftraums. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz kündigte am Donnerstag an, die Aktivität der Luftstreitkräfte auszuweiten.
„Nach den jüngsten russischen Provokationen und Aggressionsakten habe ich entschieden, den Schutz unseres Luftraums auszuweiten. Wir erhöhen die Aktivität unserer Luftstreitkräfte, darunter der F-16-Flugzeuge und Hubschrauber“, schrieb Kosiniak-Kamysz auf X. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, „dass Provokationen vonseiten Russlands unterschiedliche Formen annehmen und an Orten Bedrohungen schaffen, die bislang als sicher galten“.
Zuvor hatten polnische Kampfjets nach Angaben des Ministers über der Ostsee ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ Il-20 abgefangen. Der Vorfall ereignete sich rund 40 Kilometer nördlich von Ustka. Das Flugzeug habe keine Identifikationsgeräte eingeschaltet gehabt und eine Gefahr für die zivile Luftfahrt dargestellt. Eine Verletzung des polnischen Luftraums habe es nicht gegeben.
Bereits am Montag war rund 30 Kilometer nördlich von Łeba eine russische Il-20 von polnischen Kampfjets abgefangen worden. Auch in diesem Fall blieb die Maschine außerhalb des polnischen Luftraums. Russische Aufklärungsflugzeuge und zuletzt auch Kampfflugzeuge fliegen regelmäßig über der Ostsee mit ausgeschalteten Transpondern und ohne eingereichte Flugpläne. Das erschwert ihre Identifizierung und belastet die zivile Flugsicherung.
Wie Kosiniak-Kamysz betonte, beobachtet das polnische Militär die Lage an der Ostgrenze fortlaufend. Zudem würden Systeme für eine schnelle Reaktion auf Bedrohungen im gesamten Land verstärkt.
Operatives Kommando plant vorübergehende Beschränkung des Flugverkehrs
Das Operative Kommando der Streitkräfte teilte mit, dass vom 10. September bis 9. Dezember 2026 im Osten Polens eine vorübergehende Beschränkung des Flugverkehrs gelten soll. Sie reicht vom Boden bis zur Flugfläche FL95, also ungefähr bis 3.000 Meter. Passagiermaschinen, die in größeren Höhen unterwegs sind, seien davon nicht betroffen. Die Maßnahme solle der Luftverteidigung ausreichende Handlungsfreiheit und eine wirksame Reaktion auf mögliche Bedrohungen ermöglichen, zugleich aber die Auswirkungen auf die zivile Luftfahrt begrenzen.
Das polnische Außenministerium hatte am Donnerstag zudem den russischen Botschafter Georgij Michno einbestellt. Ihm sei ein entschiedener Protest gegen russischen „Staatsterrorismus“ und die Eskalation hybrider Operationen in Polen und anderen Staaten übermittelt worden.
IAR/PAP/adn