Das Archiv wurde während des Zweiten Weltkriegs von dem Historiker Emanuel Ringelblum und seinen Mitarbeitern im Warschauer Ghetto zusammengetragen und an mehreren Orten versteckt. Die Sammlung dokumentiert das Leben der jüdischen Bevölkerung unter deutscher Besatzung sowie ihre Verfolgung und Vernichtung. Historiker betrachten sie als eines der wichtigsten Zeugnisse über das Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkriegs.
Ringelblum hatte die Untergrundgruppe Oneg Szabat ins Leben gerufen, die systematisch Berichte, Dokumente und weitere Zeugnisse über das Leben im Ghetto sammelte. 1942 begannen Ringelblum und seine Mitarbeiter, die Bestände in Metallkisten und Milchkannen zu verpacken und zu verstecken.
Ringelblum überlebte die Deportationen aus dem Warschauer Ghetto und versteckte sich anschließend auf der sogenannten „arischen Seite“ der Stadt. Nach einer Denunziation wurde er 1944 zusammen mit seiner Familie und weiteren Menschen entdeckt und ermordet.
Von den versteckten Beständen konnten nach dem Krieg zwei Teile geborgen werden. Der erste Teil wurde am 18. September 1946 im Keller des ehemaligen Gebäudes an der damaligen Nowolipki-Straße 68 entdeckt. Vier Jahre später wurde ein zweiter Teil gefunden. Das Schicksal eines dritten Teils, der vermutlich in der Świętojerska-Straße versteckt worden war, ist bis heute ungeklärt.
Die UNESCO nahm das Ringelblum-Archiv 1999 in das Register „Memory of the World“ auf. Die Sammlung wird heute im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt.
IAR/jc