Polens Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk hat nach den russischen Angriffen nahe der Grenze zur Ukraine vor einer neuen Eskalationsstufe gewarnt. Es gehe um Sabotageformen, „mit denen Europa bisher nicht konfrontiert gewesen sei“, sagte Tomczyk am Montag dem Sender TVN24. Ein konkretes Kriegsszenario für Polen gebe es derzeit jedoch nicht.
Der Sprecher von Präsident Karol Nawrocki, Rafał Leśkiewicz, schloss zugleich nicht aus, dass der Präsident den Nationalen Sicherheitsrat einberufen könnte. Ob und wann dies geschehe, entscheide allein der Staatspräsident, sagte Leśkiewicz dem Sender TOK FM. Nawrocki werde laufend über die Lage informiert.
"Angriff nahe polnischer Grenze wahrscheinlich kein Zufall"
Auslöser sind russische Angriffe auf die Westukraine in der Nacht zum Sonntag. Polnische Systeme hätten dabei mehrere Jet-Drohnen des Typs Geran-5 registriert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Polen setzte Kampfflugzeuge, Hubschrauber und ein Aufklärungsflugzeug ein. Eine Verletzung des polnischen Luftraums sei nicht festgestellt worden.
Bei den Angriffen in Grenznähe sind die Angaben zu den getroffenen Zielen widersprüchlich. Ukrainische Stellen berichteten von einem Treffer auf einen Zug der Verbindung Kyjiw–Warschau. Ministerpräsident Donald Tusk sprach nach einer Lagebesprechung dagegen von einem Güterzug auf einem Abstellgleis. Auch zum zweiten Vorfall gibt es unterschiedliche Darstellungen: Tusk nannte eine Tankstelle oder deren Umfeld, während Leśkiewicz sagte, die Drohne habe ein dort abgestelltes Fahrzeug getroffen.
Leśkiewicz erklärte, der Angriff nahe der polnischen Grenze sei „wahrscheinlich kein Zufall“ gewesen. Russland teste seit längerem die Verteidigungsfähigkeit der NATO-Ostflanke, sagte der Präsidentensprecher. Tusk hatte bereits am Sonntag von einer zunehmenden Eskalation gesprochen und eine engere Zusammenarbeit von Armee, Polizei, Grenzschutz und Zoll an den Grenzübergängen angekündigt.
Tomczyk sagte, Polen müsse die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft, des Staates und der Streitkräfte stärken. Ein Szenario mit nicht gekennzeichneten bewaffneten Kräften, wie es unter dem Begriff „grüne Männchen“ bekannt wurde, sei für Polen unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht vorstellbar.
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