Mit den Äußerungen reagierte Patruschew auf Aussagen des polnischen Außenministers Radosław Sikorski. Dieser hatte bei der Konferenz „Yalta European Strategy“ in Kiew erklärt, Russland habe im Falle eines Angriffs gegen Polen und die NATO keine Aussicht auf einen schnellen Erfolg. „Wenn Russland uns angreifen würde und wir die Handschuhe ausziehen würden, würden wir Russland meiner Meinung nach ziemlich schnell besiegen“, sagte Sikorski. Er verwies dabei insbesondere auf die aus seiner Sicht deutliche Überlegenheit der NATO bei der Luftwaffe.
Sikorski bezog sich dabei auf einen möglichen Konflikt zwischen Russland und der NATO, nicht auf einen Alleingang Polens. Er argumentierte, die westlichen Staaten verfügten über erhebliche militärische Fähigkeiten. Auch die Erfahrungen der Ukraine zeigten aus seiner Sicht, dass russische militärische Kapazitäten erheblich geschwächt werden könnten.
Patruschew wies diese Einschätzung zurück. Sikorski unterschätze die militärische Stärke Russlands und berücksichtige nicht, dass die russischen Streitkräfte im Krieg gegen die Ukraine bislang nicht ihr gesamtes Potenzial einsetzten, sagte er.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete Sikorskis Äußerungen als Ausdruck einer „Russophobie des Gehirns“.
Der russische Abgeordnete Wiktor Sobolew warnte zugleich vor den Folgen einer direkten Konfrontation. Russland plane keinen Angriff, sagte er, doch die Polen hätten entsprechende Pläne. Sie gingen damit ein großes Risiko ein, „in einen Konflikt mit einem Land einzutreten, das über Atomwaffen verfügt“.
NATO registriert mehr hybride Angriffe
Die gegenseitigen Drohungen fallen in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen Russland und westlichen Staaten. Nach Angaben eines ranghohen NATO-Vertreters hat die Zahl russischer hybrider Angriffe auf Mitgliedstaaten des Bündnisses deutlich zugenommen.
Zu den Vorfällen zählt auch der Fund einer mit Sprengstoff versehenen Drohne am Flughafen Leipzig Anfang August. Ein NATO-Vertreter sagte, die Art des verwendeten Sprengstoffs deute auf eine direkte Beteiligung eines russischen Nachrichtendienstes hin. „Semtex ist nichts, was man irgendeinem Jugendlichen in die Hand drückt, den man beim Videospielen rekrutiert hat“, sagte er.
Die Bundesregierung hat Russland inzwischen offiziell für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle vom 4. August verantwortlich gemacht.
Gazeta Wyborcza/jc