Ein Luftalarm von vergangener Woche hat die Frage aufgeworfen, wie Schulen bei einer Gefahr aus der Luft handeln sollen. Lehrergewerkschaften fordern verbindliche, auf die jeweilige Schule zugeschnittene Regeln sowie Schulungen für Lehrkräfte. Das Bildungsministerium lässt die Reaktionen der Einrichtungen in den Woiwodschaften Lublin und Karpatenvorland prüfen.
Während der Warnung des Regierungszentrums für Sicherheit RCB brachten einige Schulen Kinder in Untergeschosse, Keller oder andere provisorische Schutzräume. Andere setzten den Unterricht fort. Sławomir Wittkowicz, Vorsitzender der Freien Gewerkschaft „Forum-Oświata“, sagte, bisher fehlten systematische Vorgaben für Luftangriffe. Ein einheitlicher Ablauf müsse dennoch die Unterschiede zwischen den Schulen berücksichtigen: Gebäudestruktur, Zahl und Alter der Schülerinnen und Schüler sowie vorhandene Schutzräume seien entscheidend.
„Schulen brauchen konkrete Anweisungen und Vorgaben, wie sie bei einem Luftalarm handeln sollen“, sagte Magdalena Kaszulanis, Sprecherin des Polnischen Lehrerverbandes ZNP. Falls ein Gebäude keinen geeigneten Schutzraum habe, sollten Kommunen den Schulen sichere Orte für eine Evakuierung benennen.
Wittkowicz verwies darauf, dass sich ein Luftalarm grundlegend von einem Brand unterscheide. Bei Feuer würden Klassen nach draußen gebracht; bei einer Bedrohung aus der Luft müssten sie im Gebäude oder an einem von den Behörden bestimmten geschützten Ort unterkommen. Deshalb seien Fortbildungen und regelmäßig geübte Alarme nötig.
Kontrollen in zwei Woiwodschaften
Die Schulaufsichten beider Woiwodschaften sollen nun vor allem Fälle untersuchen, in denen Schulen auf die Warnung nicht reagierten, Kinder während oder unmittelbar nach dem Alarm nach Hause schickten oder Beschwerden eingingen. Das Bildungsministerium betonte, jede Entscheidung werde einzeln bewertet – auch danach, welche Informationen der Schule in dem Moment vorlagen. Bildungsministerin Barbara Nowacka wandte sich dazu an das Innenministerium und das RCB.
Innenminister Marcin Kierwiński erklärte, die Evakuierungen hätten nach Angaben des Woiwoden von Lublin zu etwa 90 Prozent reibungslos funktioniert. Die übrigen Fälle zeigten jedoch, dass die Empfehlungen nachgebessert werden müssten. Der Alarm bezog sich auf die Lage der Vorwoche während eines russischen Angriffs auf die Westukraine; eine Verletzung des polnischen Luftraums wurde damals nicht festgestellt.
PAP/adn