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Nach PSL-Vorstoß: Justizminister Żurek warnt vor Präzedenzfall durch Verfassungsreset

06.11.2026 11:29
Justizminister Żurek warnt vor einem gefährlichen Präzedenzfall durch einen „Verfassungsreset“. Präsidentenberaterin Socha hält dagegen jede konstruktive Lösung für prüfenswert.
Warschau, 4. November 2026: Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek bei einer Pressekonferenz im Justizministerium. | PAPPaweł Supernak
Warschau, 4. November 2026: Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek bei einer Pressekonferenz im Justizministerium. | PAP/Paweł SupernakPAP/Paweł Supernak

Polens Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek hat vor einem „Verfassungsreset“ beim Verfassungsgericht gewarnt. Wenn Politiker meinten, für höhere Werte müsse etwas zurückgesetzt werden, könnten sie dies tun, sagte er am Freitag im Polnischen Rundfunk. Er halte dies jedoch für einen „sehr gefährlichen Präzedenzfall“.

Żurek verwies auf die starke politische Polarisierung. Künftig könnten die Verlierer einer Wahl alle vier Jahre einen Reset fordern und mit einer Revolution drohen. Beginne die Debatte nicht mit der Wiederherstellung der Rechtsordnung, sondern mit einem Reset, könnten Verantwortliche für Veruntreuungen nach einer Wahlniederlage versuchen, sich dadurch Straffreiheit zu verschaffen, erklärte der Minister.

Präsidentenberaterin Barbara Socha zeigte sich dagegen offen für Gespräche über den Vorschlag der Bauernpartei PSL. „Jede konstruktive Idee zur Lösung der Situation im Verfassungsgericht ist eine Prüfung wert“, sagte sie ebenfalls im Polnischen Rundfunk. Nach ihrer Einschätzung sei das Gericht „vollständig demoliert“ worden. Deshalb seien radikalere Lösungen und die Zusammenarbeit aller politischen Kräfte nötig. Präsident Karol Nawrocki habe diesen Prozess begonnen. Ein Termin für ein Gespräch Nawrockis mit Ministerpräsident Donald Tusk stehe noch nicht fest.

PSL-Vorstoß sorgt für gemischte Reaktionen

Der von PSL-Chef und Vizepremier Władysław Kosiniak-Kamysz vorgestellte Entwurf sieht vor, die Amtszeiten der derzeitigen Verfassungsrichter zu beenden. Die Nationalversammlung soll einmalig mit einer Dreifünftelmehrheit 15 neue Richter wählen. Je fünf von ihnen würden Amtszeiten von drei, sechs und neun Jahren erhalten. Die Kandidaten soll der Sejmmarschall nach vorheriger Zustimmung des Präsidenten benennen.

Für die Einbringung des Entwurfs sind die Unterschriften von mindestens 92 Abgeordneten erforderlich. Die PSL verfügt über 32 Mandate. Eine Verfassungsänderung benötigt im Sejm eine Zweidrittelmehrheit und im Senat eine absolute Mehrheit.

Polska 2050, Rozwój Plus und die Konfederacja wollen über den Vorschlag sprechen. Die Linke lehnt ihn ab, Politiker der Bürgerkoalition und des Zentrums äußerten sich skeptisch. PiS-Politiker Paweł Szrot erklärte, Gespräche seien ausgeschlossen, solange nach seiner Darstellung „Usurpatoren“ das Verfassungsgericht besetzten. Tusk sagte, die Vorschläge gefielen ihm nur „mäßig“, betonte aber sein volles Vertrauen in Kosiniak-Kamysz.

PAP/adn

Streit ums Verfassungsgericht gefährdet Polens Sicherheit

05.11.2026 12:30
Die im Grunde bereits abgestimmte Nationale Sicherheitsstrategie könnte wegen des Kampfes um das Verfassungsgericht in der Schublade landen. Das Verfassungsgericht in seiner bisherigen Form gibt es nicht mehr. Die Rede von einem verfassungsrechtlichen Neustart sei somit reine Augenwischerei. Und: Wer das Verfassungsgericht und den Obersten Gerichtshof kontrolliert, entscheidet, ob der Präsident sein Amt ausüben darf, welche Parteien zugelassen sind und ob die für das kommende Jahr geplante Parlamentswahl stattfindet und gegebenenfalls gültig ist. Mehr dazu im Pressespiegel.

Streit um Verfassungsgericht: PSL schlägt Verfassungsänderung vor, Bürgerkoalition gespalten

05.11.2026 15:21
Die PSL will den Verfassungsgerichtshof durch eine Verfassungsänderung einmalig neu besetzen. In der Bürgerkoalition reichen die Reaktionen von Gesprächsbereitschaft bis zu klarer Ablehnung. Für die Einbringung des Entwurfs sind 92 Unterschriften erforderlich.

Medien: Von der Leyen unterstützt Tusk im Streit um das Verfassungsgericht

06.11.2026 06:00
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat auf eine gemeinsame Pressekonferenz mit den Regierungschefs der Visegrád-Gruppe verzichtet. Dort sollte sie gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki auftreten. Von der Leyen soll damit ihre Unterstützung für Donald Tusk im Streit um das polnische Verfassungsgericht demonstrieren, berichtet Bloomberg.