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Polnischer Politologe: Frankreich und Deutschland wollen die USA aus Europa vertreiben

24.12.2022 08:09
„Wenn die Ukraine gewinnt, wird eine starke Gruppe von Ländern an der Ostflanke der NATO entstehen. Ein skandinavisch-baltisch-polnisch-ukrainische Bündnis, dem möglicherweise auch Rumänien angehören wird, welches die politische Position Deutschlands und Frankreichs untergraben wird, während es eng mit den USA und Großbritannien zusammenarbeitet. Der Schwerpunkt Europas wird sich nach Osten verlagern", so die Einschätzung des Politologen Przemysław Żurawski vel Grajewski.
Przemysław Żurawski vel Grajewski
Przemysław Żurawski vel GrajewskiPR24

In einer eingehenden Diskussion über die mögliche künftige Entwicklung des Krieges in der Ukraine wurde der Politikwissenschaftler der Universität Łódź zu den jüngsten Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron befragt. Berichten zufolge habe dieser Anfang Dezember den Westen aufgefordert, Russland im Rahmen von Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Macron habe seine Forderung diese Woche wiederholt.

„Frankreichs Wahrnehmung der Realität steht im Widerspruch zu Polens Interessen"

„Ich erwarte nicht viel von Frankreich, denn Frankreichs Wahrnehmung der Realität steht in völligem Widerspruch zu Polens Interessen", so Żurawski vel Grajewski. „Die Franzosen wünschen sich eine geringere Präsenz der Vereinigten Staaten in der europäischen Sicherheitsarchitektur. Dies würde eine Niederlage für die Ukraine und einen Sieg für Russland bedeuten", fügte er hinzu. „Für Paris und Berlin ist Russland eher ein Partner bei ihren Bemühungen, die USA aus Europa zu vertreiben, als eine Bedrohung", erklärte Grajewski weiter.

Skandinavisch-Baltisch-Polnisch-Ukrainisches Bündnis"

„Wenn die Ukraine gewinnt, wird eine starke Gruppe von Ländern an der Ostflanke der NATO entstehen. Ein skandinavisch-baltisch-polnisch-ukrainische Bündnis, dem möglicherweise auch Rumänien angehören wird, welches die politische Position Deutschlands und Frankreichs untergraben wird, während es eng mit den USA und Großbritannien zusammenarbeitet. Der Schwerpunkt Europas wird sich nach Osten verlagern", so die Einschätzung des Politologen. Laut dem Experten würden Polen und die Ukraine in diesem Szenario gestärkt werden, da sie bereits „die beiden größten Armeen unter den Nicht-Atomwaffenstaaten" seien. Außerdem verfügten die ukrainischen Streitkräfte bereits jetzt über eine „konkurrenzlose Erfahrung auf dem Schlachtfeld eines offenen Krieges", fügte er hinzu.

Frankreich und Deutschland werden einen Teil ihrer politischen Bedeutung verlieren

„Wenn Russland besiegt wird, werden Frankreich und Deutschland einen Teil ihrer politischen Bedeutung verlieren. Beide Länder sind entschlossen, dies zu verhindern", so Żurawski vel Grajewski weiter. „Sie gehen fälschlicherweise davon aus, dass ein Sieg über die Ukraine Russlands Appetit stillen würde. Das wird er nicht. Sie vergessen, dass Moskau vor einigen Jahrzehnten ein Viertel von Berlin und die Hälfte von Deutschland kontrolliert hat. Sowjetische Panzer standen 400 Kilometer vor Paris entfernt", fügte er hinzu.

„Damals wusste jeder in Frankreich und Westdeutschland, was auf dem Spiel stand. Aber sie haben es vergessen", so Żurawski vel Grajewski abschließend.


tvp.info, Reuters, carnegieeurope.eu, wsj.com/ps