Sollte Donald Tusk das Amt des Premierministers übernehmen, könnte er das Thema Reparationen für geringfügige Summen beilegen und sich von den bisherigen Forderungen Polens distanzieren, warnte in einem kürzlichen Interview mit RMF FM Polens Vize-Außenminister Arkadiusz Mularczyk.
„Ich fürchte, dass Donald Tusk das Thema Reparationen nur als Entschädigung für eine kleine Gruppe Überlebender ansieht und für minimale Beträge abtun wird. Es geht jedoch um weit mehr als das", erklärte Mularczyk. Er betonte weiterhin, dass die Debatte um deutsche Reparationen für die im Zweiten Weltkrieg erlittenen Schäden Polens international auf großes Echo stößt, mit breiter Aufmerksamkeit im US-Kongress, im Europäischen Parlament und insbesondere in Berlin.
Der stellvertretende Außenminister verwies auf einen Bericht, der am 1. September des Vorjahres vorgestellt wurde und der die Verluste Polens während der deutschen Aggression und Besatzung im Zweiten Weltkrieg dokumentiert. Basierend auf diesem Bericht, hatte Polens Außenminister Zbigniew Rau am 3. Oktober eine diplomatische Note an die deutsche Seite gerichtet, die materielle und immaterielle Schadensersatzforderungen in Höhe von insgesamt 6 Billionen 220 Milliarden 609 Millionen Złoty beinhaltet.
Am 3. Januar dieses Jahres teilte das polnische Außenministerium mit, dass es eine Antwort von der deutschen Seite auf diese Notiz erhalten hat. Die deutsche Regierung betonte darin, dass die Frage der Reparationen und Kompensationen für Kriegsverluste als abgeschlossen betrachtet wird und keine weiteren Verhandlungen darüber geplant sind.
Der Sprecher der von Donald Tusk geführten Bürgerplattform (PO), Jan Grabiec hatte indes in einem Interview für den Privatsender Radio Plus erklärt, dass eine von der Bürgerplattform geführte Regierung die Angelegenheit „effizienter als die PiS" behandeln wird. „Wir werden in der Lage sein, konkrete Forderungen zu stellen und konkrete Beträge zu erhalten", sagte Jan Grabiec. Grabiec kritisierte die bisherigen Bemühungen der PiS-Regierung in dieser Angelegenheit scharf. „Die PiS-Politiker sprachen von Reparationen ausschließlich in Polen. Wenn sie es im Ausland erwähnten, taten sie es leise und vielleicht ein- oder zweimal. Sie schickten eine Notiz, und auch das nur, nachdem wir darauf bestanden hatten", erklärte er.
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