Bei seinem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt am Montag versicherte der polnische Premierminister, Donald Tusk, dem ukrainischen Präsidenten, Wolodymyr Selenskyj, dass „Polen weiterhin alles in seinen Kräften tun wird, um der Ukraine eine bessere Chance zu geben, diesen Krieg zu gewinnen". Polen tue das „aus moralischen Gründen", aber auch im Hinblick auf die Sicherheit Polens, so Polens Regierungschef.
„Die Ukraine muss in ihrem Kampf gegen Russland mit allen verfügbaren Mitteln unterstützt werden, denn es geht auch um die Sicherheit der polnischen Nation und des polnischen Staates", sagte er.
„Das Schicksal der freien Welt wird in der Ukraine entschieden", deshalb habe der polnische Premierminister nach seinem Amtsantritt im vergangenen Monat für seinen ersten Auslandsbesuch außerhalb der Europäischen Union die Ukraine gewählt, so Tusk.
Polen und Ukraine wollen gemeinsam Waffen produzieren
„Polen und die Ukraine sind bereit, die Gespräche über Investitionen in die gemeinsame Produktion von Munition und Waffen abzuschließen", kündigte Tusk außerdem an. Die neue Regierung in Warschau hat dafür einen Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau der Ukraine ernannt. Der Posten ging an den Abgeordnete der Bürgerkoalition (KO) Paweł Kowal, berichtete die Nachrichtenseite polskieradio24.pl des Polnischen Rundfunks.
Selenskyj: Polen und Ukraine können Grenzproteste beilegen
Bei ihrem Gespräch ging es auch um die Situation an der gemeinsamen Grenze, wo polnische LKW-Fahrer zwei Monate lang mehrere Grenzübergänge blockierten. Damit protestierten sie gegen den ihrer Meinung nach unfairen Wettbewerb durch ukrainische Transportunternehmen. Die Blockaden wurden bis zum 1. März eingestellt, nachdem eine Vereinbarung zwischen Vertretern der polnischen Transporteure und dem Infrastrukturministerium getroffen wurde. „Wir können jedes dringende Problem auf Regierungsebene lösen", sagte der ukrainische Präsident nach seinem Treffen mit dem polnischen Premierminister.
„Wir verstehen die Gründe, die zu dieser Situation geführt haben, aber wir machen auch auf die Bedrohung unserer Nationen aufmerksam, die alarmierend nahe ist", fügte er hinzu. „Deshalb müssen wir alle Probleme mit einem Höchstmaß an Pragmatismus lösen", so Selenskyj.
Der Premierminister betonte seinerseits, dass es auch trotz Interessenunterschieden in den polnisch-ukrainischen Beziehungen „notwendig ist, ehrlich und offen darüber zu sprechen" und dann gemeinsam eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung zu finden. Demnach sollen bereits Gesetze vorbereitet werden, die die europäischen, polnischen Transporteure mit den ukrainischen gleichstellen. „Ich bin sicher, dass wir eine solche Lösung finden werden, die sowohl den polnischen Landwirten und Produzenten als auch der ukrainischen Seite zugutekommt und ihre Sicherheit garantiert", so seine Einschätzung.
In der wichtigsten Frage - dem Krieg zwischen der Ukraine und Russland - stehe Polen allerdings eindeutig hinter dem Kampf der Ukraine für ihre Unabhängigkeit, betonte Tusk.
Quellen: PAP, rmf24/ps