RZECZPOSPOLITA: Das Ende des „kälberhaften Proamerikanismus"
Die konservativ-liberale Rzeczpospolita widmet sich dem fundamentalen Wandel in der polnischen Wahrnehmung der Vereinigten Staaten. Jarosław Kuisz konstatiert den „Zmierzch" – den Untergang – der polnischen Liebe zu Amerika. Der Autor erinnert daran, dass diese Zuneigung bis in die Zeiten von Kościuszko und Pułaski zurückreiche. Je stärker man den „Stiefel Moskaus" gespürt habe, desto schöner sei die Realität jenseits des fernen Ozeans erschienen.
Die antiamerikanische Propaganda der kommunistischen Ära sei an den Polen „wie Wasser an einer Ente" abgeperlt, schreibt Kuisz. Nach 1989 habe die Liebe zu Washington nicht nachgelassen – die Aufnahme in die NATO schien die tödliche Bedrohung abzuwenden. Doch nun sei ein Wendepunkt erreicht: In einer Dezember-Umfrage für die Rzeczpospolita hätten über die Hälfte der Polen die USA unter Donald Trump als unzuverlässigen Verbündeten bezeichnet.
Man habe zwei wesentliche Etappen durchlaufen, so der Autor: die Jahre kommunistischer, antiimperialistischer Propaganda und nun den Untergang der Phase des „kälberhaften Proamerikanismus", wie es Jerzy Giedroyc einst formuliert habe. Die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA deute darauf hin, dass Polen „dem Wind der Geschichte ausgesetzt werden könnte, wie einst in Jalta".
Allerdings, so Kuisz, bleibe die europäische militärische Unselbstständigkeit eine Bremse vor der Rückkehr des alten Antiamerikanismus. Es sei schwer, ein Land zu verunglimpfen, von dem man militärisch abhänge. „Nuklear und digital hängen wir noch immer am amerikanischen Tropf." Die polnische Liebe zu den Vereinigten Staaten habe in der Zeit der Teilungen begonnen – und ende nun in der Zeit der Souveränität, so Jarosław Kuisz in der Rzeczpospolita.
DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Russische Waffen verstummten in Minuten
Das Wirtschaftsblatt Dziennik/Gazeta Prawna analysiert die militärischen Lehren aus der Venezuela-Operation. Wojciech Kubik berichtet, die blitzartige Aktion amerikanischer Kommandos und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro wären ohne die Ausschaltung des venezolanischen Luftabwehrsystems nicht möglich gewesen. Dieses sei innerhalb von Minuten verstummt, obwohl es keineswegs schwach gewesen sei.
Laut dem amerikanischen Robert Lansing Institute habe Caracas über „das stärkste integrierte Luftverteidigungsnetz Lateinamerikas" verfügt. Der Aufbau habe 2009 mit dem Kauf von zwölf russischen S-300W-Systemen begonnen, für die der damalige Präsident Hugo Chávez 2,2 Milliarden Dollar gezahlt habe – kreditiert von Moskau. Die letzte Lieferung der neuesten Buk-M2E-Version sei Ende Oktober 2025 erfolgt, als bereits klar gewesen sei, dass Trumps Augen sich Richtung Venezuela wandten.
Als es jedoch zum amerikanischen Angriff kam, so der Autor, hätten die chinesischen Radare ihn nicht bemerkt, und die russische Waffen hätten nicht gefeuert. General Bogusław Pacek erkläre, die NATO stehe hinsichtlich der Ausrüstung „eine Stufe höher als Venezuela mit seinem postsowjetischen Ausstattungs- und Funktionsniveau".
Das polnische Verteidigungsministerium verfolge die Ereignisse in Venezuela aufmerksam, lesen wir. Einerseits interessiere die Militärs, wie so schnell Waffen unschädlich gemacht wurden, mit deren Besitz sich Russland und Belarus brüsteten. Andererseits befinde sich auch Polen im Aufbau eines mehrschichtigen Luftverteidigungssystems – allerdings auf Basis von Lösungen der Seite, die im Januar-Gefecht erfolgreich war. General Mieczysław Bieniek, Berater des Verteidigungsministers, versichere: „Wir haben moderne Ausrüstung sowie eine gut eingespielte und ausgebildete Besatzung."
General Roman Polko, ehemaliger Kommandeur der GROM-Einheit, warne jedoch vor Selbstzufriedenheit: „Solche Niederlagen führen dazu, dass die andere Seite anfängt zu überlegen, was schiefgelaufen ist. Jetzt werden Chinesen und Russen sicherlich ihren Blick auf das Luftverteidigungssystem überprüfen", so der Experte in Dziennik/Gazeta Prawna.
AUSLANDSDIENST.PL: Selenskyjs Reset der Sicherheitsstrukturen
Die Chefredakteurin des Auslandsdienstes des Polnischen Rundfunks, Natalia Bryżko-Zapór, widmet sich den tiefgreifenden Personalveränderungen in Kiew. Im Schatten der spektakulären US-Spezialoperation in Venezuela habe der ukrainische Präsident einen „Reset" der staatlichen Sicherheitsstrukturen eingeleitet.
Die erste Nachricht sei überraschend gewesen: Den Posten des Leiters der Präsidialkanzlei werde der führende Militärgeheimdienstler Kyrylo Budanow von Andrij Jermak übernehmen. Die Nominierung Budanows sei ein deutliches Signal, so die Autorin: Die Ukraine träume unter Selenskyjs Führung vom Frieden, bereite sich aber „zunehmend professioneller auf die Fortsetzung des Krieges" vor und lege die Vision des Sieges nicht ad acta. Davon zeuge auch der vorgeschlagene Wechsel im Verteidigungsministerium: Den Posten solle der erst 34-jährige Mychajlo Fedorow übernehmen, eine unbestrittene Autorität auf dem Gebiet der Digitalisierung und neuer Technologien.
Wie die Autorin betont, rangieren in den Vertrauensrankings ukrainischer Bürger das Militär und die Geheimdienste am höchsten – deutlich höher als politische Institutionen wie die Werchowna Rada. Vielleicht umgebe sich Präsident Selenskyj auch deshalb mit Vertretern der Sicherheitsstrukturen.
Das Signal, dass die Ukraine nicht auf die Unterzeichnung eines ungerechten Friedens abziele, sei auch im Lichte der jüngsten Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie bedeutsam: Nach vier Jahren eines zermürbenden Krieges seien ganze 53 Prozent der Ukrainer nach wie vor gegen territoriale Zugeständnisse gegenüber Russland, erinnert Natalia Bryżko-Zapór für den Auslandsdienst des Polnischen Rundfunks.
Autor: Adam de Nisau