Deutsche Redaktion

Polnische Archäologen betreten erstmals seit über 100 Jahren das Grab eines Pharaos

19.01.2026 08:30
Eine polnisch-ägyptische archäologische Mission unter der Leitung von Prof. Teodozja Rzeuska von der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) ist kürzlich aus Ägypten zurückgekehrt. Fast zwei Forschungssaisons hat das Team eines der interessantesten und zugleich am wenigsten erforschten Gräber des Alten Ägypten – die Mastaba des Pharaos Schepseskaf in der Nekropole von Sakkara nahe Kairo erforscht.
Das Grab von Schepseskaf  eines Herrschers der IV. Dynastie, der vor rund 4.500 Jahren lebte  ist eine auergewhnliche Nekropole, bekannt als die Mastaba des Pharaos (arabisch: Mastabat el Faraun).
Das Grab von Schepseskaf – eines Herrschers der IV. Dynastie, der vor rund 4.500 Jahren lebte – ist eine außergewöhnliche Nekropole, bekannt als die Mastaba des Pharaos (arabisch: Mastabat el Fara’un). Fundacja Umbra Orientis/fb

„Wir sind nach Ägypten gekommen, weil unser Institut – das Institut für Mittelmeer- und Orientkulturen der Polnischen Akademie der Wissenschaften – das Angebot erhielt, an dieser außergewöhnlich renommierten Fundstätte zu arbeiten, die für Archäologen fast 100 Jahre lang unzugänglich war“, sagte Prof. Teodozja Rzeuska über die Mission.

Das Grab von Schepseskaf – eines Herrschers der IV. Dynastie, der vor rund 4.500 Jahren lebte – ist eine außergewöhnliche Nekropole, bekannt als die Mastaba des Pharaos (arabisch: Mastabat el Fara’un). Obwohl dieser Pharao in einer Zeit regiert hatte, in der die größten Pyramiden von Gizeh errichtet wurden, ließ er keine klassische Pyramide bauen. Stattdessen entschied er sich für ein monumentales Grab in Form einer Mastaba – eines steinernen, rechteckigen Grabbaus mit geneigten Wänden.

Während der Arbeiten in der Saison 2025 konzentrierten sich die Archäologen vor allem auf die Grabkammer. Dort wurden zahlreiche Fragmente des zerstörten königlichen Sarkophags des Pharaos gefunden. „Als wir begannen, das Innere der Grabkammer zu reinigen, stießen wir auf mehr als 1.000 Fragmente. Unsere Restauratoren schätzen, dass wir derzeit rund 70 Prozent des Sarkophags besitzen. Er ist noch nicht vollständig freigelegt. Das wollen wir im kommenden Jahr abschließen, so dass möglicherweise noch weitere Fragmente hinzukommen“, berichtete Prof. Rzeuska.


Polen sind respektierte Partner in ägyptologischer Archäologie

Prof. Teodozja Rzeuska verwies auf die hohe Stellung der polnischen ägyptologischen Archäologie. „An diesem Erfolg haben ganze Generationen polnischer Archäologen gearbeitet – angefangen bei Professor Kazimierz Michałowski, dem Begründer der Polnischen Schule der Mittelmeerarchäologie. Durch ihre Arbeit und die vorbildliche Zusammenarbeit mit lokalen Archäologen haben sie sich den Ruf verlässlicher und respektierter Partner erworben“, betont die Leiterin der Mission.

Die polnische Mission führt ihre Forschungen in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer durch. Die Arbeiten wurden zudem finanziell vom polnischen Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung sowie von Spendern und Sponsoren unterstützt. Obwohl die Mission erst vor Kurzem nach Polen zurückgekehrt ist, wird die Auswertung des Materials derzeit abgeschlossen. „Wir bereiten den Abschlussbericht für das Jahr 2025 vor. Das Recht, die Ergebnisse zuerst zu veröffentlichen, liegt bei der ägyptischen Seite, da wir auf ihrem Gebiet arbeiten und es um ihre Geschichte geht. Nach der Veröffentlichung werden wir unsere Erkenntnisse umfassender vorstellen können“, kündigte Prof. Rzeuska an.

Parallel dazu plant die Mission bereits die nächste Forschungssaison. Vorgesehen sind unter anderem die Fortsetzung der Freilegung der Grabkammer sowie weitere Entdeckungen, die neues Licht auf das Leben und die Bestattungsrituale eines der weniger bekannten Pharaonen des Alten Reiches werfen könnten.

PR/PAN/ps

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