Deutsche Redaktion

Polen: Opfer unserer Soldaten bei NATO-Einsätzen darf nicht relativiert werden

23.01.2026 16:30
Das Opfer polnischer Soldaten, die gemeinsam mit Verbündeten an Auslandseinsätzen beteiligt waren, werde „niemals vergessen werden und darf nicht relativiert werden“, erklärte der polnische Verteidigungsminister angesichts der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der die Rolle der NATO-Truppen in Afghanistan herabgesetzt hat.
Ein Konvoi der Polnischen Kampfgruppe in Afghanistan.
Ein Konvoi der Polnischen Kampfgruppe in Afghanistan.www.isaf.wp.mil.pl

Wie der stellvertretende Ministerpräsident und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sagte, hätten polnische Soldaten bei Einsätzen unter anderem in Afghanistan und im Irak „Schulter an Schulter mit den Verbündeten“ gekämpft. Polen bleibe innerhalb des Bündnisses ein „verantwortungsvoller und verlässlicher“ Partner, betonte der Minister. Außenminister Radosław Sikorski erklärte seinerseits auf X, Präsident Karol Nawrocki, der Oberbefehlshaber der polnischen Streitkräfte, werde „sicherlich die Ehre unserer Soldaten verteidigen“. Nawrocki hat US-Präsident Donald Trump Anfang dieser Woche am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos getroffen.

Trump-Äußerungen stoßen bei Verbündeten auf Kritik 

Die Reaktionen folgten auf Aussagen Trumps in einem Interview mit dem Sender Fox News. Der frühere US-Präsident sagte, die Vereinigten Staaten hätten die NATO „nie gebraucht“. Zugleich behauptete er, alliierte Truppen seien während des Krieges in Afghanistan „ein wenig abseits der Frontlinien“ geblieben. Er sei „nicht sicher“, ob das Militärbündnis den USA beistehen würde, „wenn wir sie jemals brauchen sollten“, fügte er hinzu. „Wir haben sie [die NATO] nie gebraucht“, sagte Trump und ergänzte: „Wir haben sie eigentlich nie um etwas gebeten.“

Mit Blick auf die Einsätze der Verbündeten erklärte er: „Sie werden sagen, sie hätten Truppen nach Afghanistan geschickt, und das haben sie auch – sie sind ein wenig zurückgeblieben, ein wenig weg von der Front.“

Der US-Präsident hat die NATO wiederholt kritisiert, unter anderem in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Dort stellte er infrage, ob das Bündnis den USA nütze. Die Äußerungen sind bei europäischen Politikern auf scharfe Reaktionen gestoßen.

In Großbritannien bezeichnete ein Staatssekretär die Aussagen als „zutiefst enttäuschend“ und verwies auf die Opfer der verbündeten Streitkräfte. „Sehr viele britische Soldaten und viele Soldaten anderer europäischer NATO-Verbündeter haben ihr Leben zur Unterstützung von von den USA geführten Einsätzen an Orten wie Afghanistan und Irak gegeben“, sagte Stephen Kinnock dem Sender Sky News. Auch beim täglichen Pressebriefing in der Downing Street erklärte der offizielle Sprecher von Premierminister Keir Starmer am Freitag, Präsident Trump habe „Unrecht gehabt, die Rolle der NATO-Truppen“ in Afghanistan zu relativieren.

Polen unterstreicht Solidarität und Opferbereitschaft 

In Polen erklärte der frühere Kommandeur der Spezialeinheiten, Roman Polko, Trumps Äußerungen würden von einem mangelnden Verständnis militärischer Solidarität zeugen und eine „rote Linie" überschreiten. Er erinnerte, polnische Soldaten seien an der Front eingesetzt gewesen. Zudem würden jetzt Veteranen einen formellen Protest erwägen.

Kosiniak-Kamysz hob hervor, der Tod polnischer Soldaten bei Auslandseinsätzen zeige die Bereitschaft des Landes, „den höchsten Preis“ für die Verteidigung der internationalen und nationalen Sicherheit zu zahlen. „Dieses Opfer wird niemals vergessen werden und darf nicht relativiert werden“, erklärte er. An Polens Rolle als bewährter Verbündeter werde dies nichts ändern.

Der militärische Einsatz Polens in Afghanistan dauerte fast zwei Jahrzehnte. Mehr als 33.000 polnische Soldaten sowie Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums waren daran beteiligt. Während der Mission kamen 43 polnische Soldaten ums Leben, darunter ein ziviler Sanitäter. Im Irak, wo polnische Truppen zwischen 2003 und 2008 stationiert waren, nahmen mehr als 15.000 Soldaten an dem Einsatz teil. 22 von ihnen kamen dabei ums Leben.

Menschliche Kosten des Afghanistan-Krieges 

Der Krieg in Afghanistan ist der einzige Konflikt, in dem die kollektive Verteidigungsklausel der NATO, Artikel 5, angewendet wurde. Großbritannien hat während seines 20-jährigen Einsatzes in Afghanistan 457 Soldaten verloren. Mehr als 150 kanadische und über 90 französische Militärangehörige kamen ebenfalls ums Leben. Dänemark hatte 44 Soldaten verloren und damit eine der höchsten Pro-Kopf-Verlustraten unter den NATO-Verbündeten verzeichnet.


PAP/Reuters/ps

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