Deutsche Redaktion

Experte: Selenskyj könnte auf zweite Amtszeit verzichten

30.01.2026 11:47
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird nach Einschätzung eines politischen Experten möglicherweise nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. „Ich glaube nicht, dass Selenskyj bereit sein wird, ein weiteres Mandat anzustreben“, sagte der Leiter des Kiewer Zentrums für Globalistik „Strategie XXI“, Mychajlo Hontschar, der Nachrichtenagentur PAP.
Wolodymyr Selenskyj
Wolodymyr SelenskyjEPA/Sean Gallup

Selenskyj denke über seine Zukunft nach und habe ursprünglich angekündigt, nur eine Amtszeit Präsident sein zu wollen, so Hontschar. Die reguläre fünfjährige Amtszeit Selenskyjs endete formal im Jahr 2024. Aufgrund des geltenden Kriegsrechts können in der Ukraine jedoch keine Wahlen abgehalten werden. Die US-Regierung drängt dennoch auf eine Durchführung von Wahlen.

Hontschar erklärte, die politische Landschaft der Ukraine könne sich nach einem möglichen Führungswechsel deutlich verändern. „Viele Politologen gehen davon aus, dass zwei Parteien entstehen könnten, die von Militärs dominiert werden“, sagte er. Auf der einen Seite könnte demnach Ex-Armeechef Walerij Saluschnyj stehen, auf der anderen ein Lager um Kyrylo Budanow.

Saluschnyj war Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte zu Beginn der russischen Invasion und ist  ukrainischer Botschafter in Großbritannien. Er gilt weiterhin als äußerst populär und könnte nach dem Krieg bei Präsidentschaftswahlen antreten.

Budanow, der früher Chef des Militärgeheimdienstes HUR war, steht inzwischen an der Spitze des Präsidialamtes und leitete zahlreiche Operationen gegen Russland.

Der Experte erinnerte zudem an den früheren Leiter des Präsidialamtes Andrij Jermak, der zeitweise als potenzieller Nachfolger Selenskyjs galt. Jermak geriet jedoch im November 2025 ins Visier des Nationalen Antikorruptionsbüros NABU im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den staatlichen Energiekonzern Enerhoatom. Bislang wurden allerdings keine Anklagen erhoben.

„Das Problem unter Jermak war, dass das Präsidialamt in zu viele verschiedene Projekte involviert war“, sagte Hontschar. Zudem habe es dort kaum Personen gegeben, „die Kriegserfahrung oder Kenntnisse über das Militär hatten“.


PAP/jc