Süssmuth war von 1987 bis 1998 Bundestagsabgeordnete und stand dem Parlament von 1988 bis 1998 als Präsidentin vor. Zuvor hatte sie das Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit geleitet.
Für ihren Einsatz zur Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland erhielt sie im Februar vergangenen Jahres den Deutsch-Polnischen Preis. In der Begründung der Außenministerien beider Länder hieß es, Süssmuth setze sich „seit über einem halben Jahrhundert für die deutsch-polnische Freundschaft ein“ und sei „die prägendste Persönlichkeit in den bilateralen Beziehungen“.
Während der Verhandlungen zur deutschen Einheit forderte Süssmuth 1990 eine rasche Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze an Oder und Neiße und kritisierte die Zurückhaltung von Bundeskanzler Helmut Kohl.
Immer wieder warnte sie vor den Folgen eines nachlassenden Engagements gegenüber Polen. „Wenn Deutschland sich nicht um gute Beziehungen zu Polen bemüht, verliert es nicht nur bilateral, sondern auch auf europäischer Ebene viel“, sagte sie 2010 bei einem deutsch-polnischen Gipfel in Darmstadt.
Auch innenpolitisch galt Süssmuth als unbequeme Stimme. Sie forderte mehr Einfluss für Frauen in Partei und Regierung und setzte sich für eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts ein. Die dpa schrieb über sie, sie sei „unbequem gewesen und ihrer Zeit voraus“.
PAP/jc